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Zinseinschätzung
4. Quartal 2018

Die EZB behält ihre im Sommer angekündigte Fahrtrichtung trotz schwächerer Konjunkturdaten bei. Zum Jahresende läuft das Anleihenkaufprogramm der Notenbank aus, Details zur Reinvestition fälliger Titel werden im Dezember erwartet. Mit einer Zinserhöhung im Euroraum wird erst für die zweite Jahreshälfte 2019 gerechnet. Die US-Notenbank setzt ihren Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen unbeirrt fort. Eine feste Konjunktur mit einem robusten Arbeitsmarkt und anziehenden Inflationsraten unterstützen sie bei ihrer Vorgehensweise.

Unveränderter Ausblick zur EZB-Geldpolitik

Die bereits im Juni angekündigte Fahrtrichtung der EZB-Geldpolitik wurde beim Oktobertermin bestätigt. Mit Ende des Jahres werden keine neuen Anleihen mehr erworben, sondern lediglich fällig gewordene reinvestiert. Mit einer Zinserhöhung wird erst nach dem Sommer 2019 gerechnet. Details zur Wiederanlage fälliger Bestandspapiere werden nun zum nächsten Termin im Dezember erwartet. Die letzten Wirtschaftsdaten – das reale BIP wuchs in den ersten beiden Quartalen je 0,40 % – lagen unter den Erwartungen der EZB.  Die Notenbank sieht sich nichtsdestotrotz in ihrer Marschrichtung bestätigt, was auch von Verbesserungen im Arbeitsmarkt getragen wird. Verschiedene sektor- und länderspezifische Entwicklungen belasten aus Sicht der EZB die kurzfristigen Wachstumsaussichten, werden aber nicht als Indiz für einen Abschwung verstanden. Die Exportzahlen kehren laut EZB nach einer überproportionalen Wachstumsphase im Jahr 2017 wieder zu ihrem Normalniveau zurück. Zudem belasten die Turbulenzen in den Schwellenländern und die momentanen politischen Unsicherheiten bezüglich Handelskonflikt und Brexit. Die Risiken für den Wirtschaftsausblick werden von der Notenbank jedoch weiterhin als ausgeglichen angesehen. Mittelfristig sieht die EZB durch steigende Löhne einen Anstieg der Kerninflationsrate und somit Chancen für eine erste Leitzinserhöhung gegen Ende der zweiten Hälfte des Jahres 2019 (Grafik 1).

Zinseinschaetzung Q4 2018 G1

Grafik 1: EZB-Leitzins und Bloomberg-Konsens und 3-Monats-Euribor und Bloomberg-Konsens. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg


Flankiert wird der Dämpfer beim realen Wirtschaftswachstum im Euroraum von steigenden Inflationszahlen. Der Preisdruck im Euroraum stieg im Oktober im Vergleich zum Vormonat von 2,1 % auf 2,2 % (Grafik 2).

Zinseinschaetzung Q4 2018 G2
Grafik 2: Zinsniveau 10-jähriger und 2-jähriger deutscher Staatsanleihen, EZB-Leitzins, Einlagensatz und Inflation. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg

Die Daten für Oktober waren hierbei die höchsten seit Dezember 2012, was insbesondere von den Energiepreisen getrieben wurde. Der Preis für Haushaltsenergie umfasst neben dem Ölpreis auch die Kosten von Gas und Strom. Die Kerninflation, welche Energiepreise und unverarbeitete Nahrungsmittel ausschließt, erhöhte sich auf Jahresbasis von zuletzt 1,1 % auf 1,3 %. Aus EZB-Sicht ist besonders der Anstieg der Kerninflationsrate nach zwei enttäuschenden Monaten von Bedeutung.

                           AktuellQ1 2019Q2 2019Q3 2019Q4 2019
EZB-Leitzins 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,05 % 0,10 %
3-Monats-Euribor -0,31 % -0,30 % -0,27 % -0,20 % -0,07 %
Bund-Renditen 2 J. 0,52 % -0,46 % -0,37 % -0,25 % -0,13 %
Bund-Renditen 10 J.   0,55 % 0,67 % 0,78 % 0,86 % 0,96 %

Tabelle 1: Konsensschätzungen; Daten vom 14.11.2018. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg

US-Notenbank setzt Normalisierungskurs fort

Die US-Notenbank (Fed) zeigte sich von den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten unbeeindruckt und bleibt ihrem Kurs einer stufenweisen Normalisierung der Geldpolitik treu. Bei ihrer Sitzung im November beließ die Fed das Zielband für den Tagesgeldsatz unverändert bei 2,00 - 2,25 %. Eine weitere Zinsanhebung war für dieses Mal faktisch ausgeschlossen worden, da bereits im September eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte erfolgte und zwei aufeinanderfolgende Zinsschritte nicht der graduellen Normalisierungsstrategie der amerikanischen Währungshüter entsprechen würde.

Die Fed erachtet das Inflationsziel von 2,00 % als erreicht und skizziert die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick in ihrer Stellungnahme als annähernd ausgeglichen. Dies bekräftigt die Markterwartung, welche für Dezember mit der vierten Zinsanhebung für dieses Jahr rechnet. Der Markt geht für das Jahr 2019 von zwei weiteren Zinsanhebungen aus. Der zunehmende Inflationsdruck sowie eine robuste Konjunktur würden jedoch auf bis zu vier Zinsschritte hindeuten (Grafik 3).

Zinseinschaetzung Q4 2018 G3

Grafik 3: Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen und Projektionen, unteres und oberes Ziellband FED-Leitzins, FED-Projektionen. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg


Neben der Zinsseite stellt „Quantitative Tightening” für die Fed ein weiteres Mittel zum Erreichen einer Normalisierung der Geldpolitik dar. Hierbei setzt die Notenbank ihre Maßnahmen zur Reduktion der Bilanzsumme fort. Bis zum Jahresende sollen hier monatlich bis zu USD 50 Mrd. abgebaut werden (Grafik 4).

Zinseinschaetzung Q4 2018 G4

Grafik 4: Bilanzsumme der EZB (in Mrd. EUR, linke Skala) und Bilanzsumme der Fed (in Mrd. USD, rechte Skala). Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

 

Wichtige Hinweise

Zu Grafik 1,2,3,4: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Die hier dargestellten Angaben dienen, trotz sorgfältiger Recherche, ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht eine, insbesondere nach rechtlichen, steuerlichen und produktspezifischen Gesichtspunkten notwendige, individuelle Beratung für die darin beschriebenen Finanzinstrumente. Die Information stellt weder ein Anbot, noch eine Einladung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und dient insbesondere nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung. Die jeweils gültigen Bedingungen jedes Finanzproduktes und weitere Informationen finden Sie unter www.spaengler.at bzw. beim jeweiligen Produktanbieter. Für Detailauskünfte zu Risiken und Kosten steht Ihnen Ihr persönlicher Berater im Bankhaus Spängler gerne zur Verfügung. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen wurden sorgfältig erarbeitet und beruhen auf Quellen, die als zuverlässig erachtet werden. Alle Informationen, Meinungen und Einschätzungen in diesem Dokument geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers bzw. der Verfasser zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die dargebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft wider. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft ist nicht dazu verpflichtet, dieses Dokument zu aktualisieren, zu ergänzen oder abzuändern, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand, eine enthaltene Stellungnahme, Schätzung oder Prognose ändert oder unzutreffend wird. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der hierin enthaltenen Informationen, Druckfehler sind vorbehalten.

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