(04.09.2026, Salzburg) - "An den Finanzmärkten richtet sich der Fokus derzeit auf Anleihen, denn deren Renditen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen", sagt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler, im aktuellen Kapitalmarktupdate der ältesten Privatbank Österreichs. "Setzt sich dieser Trend fort, könnte das die Konjunktur belasten und die derzeitigen Erholungstendenzen rasch wieder zunichte machen. "Gemeinsam mit Portfoliomanager Daniel Briesemann analysiert er die Folgen des Renditeanstiegs für Notenbanken, Währungen und Aktienmärkte.
Anleiherenditen erreichen Mehrjahreshochs
Getrieben werden die Anleiherenditen vor allem von Inflationssorgen und einer wachsenden Staatsverschuldung. "In diesem Jahr ist der Krieg im Nahen Osten ein starker Renditetreiber, weil er die Energiepreise nach oben getrieben hat", erklärt Briesemann. Hinzu kommen steigende Staatsausgaben für Fiskalprogramme und Verteidigung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf rund 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. US-Finanzminister Bessent kündigte daraufhin an, langlaufende Staatsanleihen aufkaufen zu wollen, um den Anstieg zu bremsen. Auch in Deutschland stieg die Rendite 30-jähriger Anleihen auf ein 15-Jahres-Hoch und in Japan zogen die langfristigen Zinsen ebenso kräftig an.
EZB hebt Zinsen an, Fed steht unter Zugzwang
Die Notenbanken reagieren unterschiedlich schnell auf die anziehende Teuerung. Die EZB hat die Zinsen heuer bereits um 25 Basispunkte erhöht, ein bis zwei weitere Schritte werden am Markt erwartet. "Die Fed hat die Zinsen bislang unverändert belassen, doch mittlerweile wird auch von ihr mindestens eine Erhöhung erwartet, um die Inflation einzudämmen", sagt Dürnberger. Diese Erwartung habe Fed-Chef Warsh in Jackson Hole überraschend bestätigt. Höhere Zinsen könnten die Konjunktur bremsen und zugleich die Staatskassen belasten - ein Umstand, der US-Präsident Trump ein Dorn im Auge ist. Trump fordert von der Fed seit Langem niedrigere statt höhere Zinsen, was wiederum Zweifel an deren Unabhängigkeit nährt.
Dollar schwächelt, Gold gewinnt an Glanz
Der US-Dollar war im Zuge des Iran-Kriegs dieses Jahr zeitweise als sicherer Hafen gefragt, hat zuletzt jedoch wieder nachgegeben: Schwächere US-Konjunkturdaten dämpften die Zinserhöhungserwartungen und die Bewegung wurde zusätzlich durch die Friedensdiplomatie im Nahen Osten verstärkt. Gold entwickelte sich spiegelbildlich: Auf ein Rekordhoch zu Jahresbeginn folgte eine monatelange Verluststrecke, ehe der Goldpreis im August wieder deutlich zulegte. "Der schwächere Dollar, Sorgen über die Staatsschulden sowie anhaltende Käufe von ETFs und Goldkäufe seitens der Notenbanken gaben dem Goldpreis neuen Auftrieb", erklärt Portfoliomanager Briesemann vom Bankhaus Spängler.
Breiter angelegte Kursgewinne an den Börsen
Stark steigende Anleiherenditen bremsen für gewöhnlich die Aktienmärkte – dieses Jahr zeigen sie sich jedoch weitgehend widerstandsfähig: In den USA legte der breite Markt zweistellig zu. "Bemerkenswert ist, dass der Anstieg nicht mehr nur von den großen Technologiewerten getragen wird", so Dürnberger. Der gleichgewichtete S&P 500 liegt mit einem Plus von rund 14 Prozent sogar leicht über dem marktgewichteten Index mit rund 12 Prozent - ein Zeichen, dass sich die Rally zunehmend auch auf Sektoren wie Energie, Rohstoffe und Industrie stützt.
Konjunktur robust, US-Arbeitsmarkt schwächelt
Trotz des Iran-Kriegs und der Schließung der Straße von Hormus erweist sich die Weltwirtschaft als widerstandsfähig: Die Einkaufsmanagerindizes fielen zuletzt auf beiden Seiten des Atlantiks positiv aus, in der Eurozone kletterte der Industrie-Index sogar auf den höchsten Stand seit vier Jahren. In den USA zeigt sich dagegen ein zwiespältiges Bild: "Die Konsument:innen scheinen in Kauflaune zu sein, was besonders positiv für die stark dienstleistungsorientierte US-Wirtschaft ist", so Briesemann. Der Arbeitsmarkt verliert jedoch seit Jahren an Dynamik, im Juli kam es überraschend zu einem Stellenabbau. "Setzt sich dieser Trend fort, droht die Arbeitslosenquote zu steigen, und die Fed könnte ihr Ziel der Vollbeschäftigung aus den Augen verlieren", warnt Asset Manager Dürnberger - ein Umstand, der gegen eine Fed-Zinserhöhung sprechen könnte.
Ausblick: Chancen und Risiken halten sich die Waage
Das Basisszenario des Bankhaus Spängler geht von einem moderaten Wirtschaftswachstum, einer nur kurzzeitig erhöhten Inflation in Europa, weiteren Zinserhöhungen sowie moderat steigenden Unternehmensgewinnen aus. "Risiken sehen wir vor allem in der Geopolitik, einer länger erhöhten Teuerung, steigenden Staatsschulden sowie einer zunehmend unberechenbar agierenden Fed und den aktuell ambitionierten Bewertungen", fasst Portfoliomanager Briesemann zusammen. “Dem stehen Chancen wie ein echtes Ende des Iran-Kriegs, eine Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz gegenüber.”