(21.04.2026, Wien) – Angespannte Versorgungslage, volatile Preise und wachsende geopolitische Risiken: Der österreichische Energiemarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das Bankhaus Spängler lud gestern ausschließlich weibliche Gäste in den prächtigen Großen Festsaal des Palais Liechtenstein in Wien ein, um dieses brisante Thema aus erster Hand zu beleuchten. Im Rahmen eines „Ladies Brunch" diskutierten Andrea Benckendorff, Vorständin und CEO der EXAA Abwicklungsstelle für Energieprodukte AG, sowie Kalina Jarova Müller, Mitglied der Geschäftsführung der CCP Austria, über aktuelle Entwicklungen am heimischen Energiemarkt.
„Lauernde" Lage am Energiemarkt
Benckendorff beschrieb die aktuelle Lage am österreichischen Energiemarkt als „angespannt und lauernd in Bezug auf die Preisentwicklung“. Als zentralen Treiber nannte sie die volatile Versorgungslage bei Gas und Öl. Zwar sei mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ein neues „Betriebssystem” für den Strommarkt geschaffen worden, doch werde nun entscheidend sein, wie die E-Control ihre Regelungskompetenzen ausfüllt – etwa bei der Definition systemdienlicher Speicher als Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz erneuerbarer Energien.
Krisen als Bewährungsprobe für das Risikomanagement
Kalina Jarova Müller schilderte, wie die Abfolge von Krisen seit der Corona-Pandemie das Clearing und das Risikomanagement auf eine harte Probe gestellt haben: „Die Risikomodelle und Clearingprozesse der CCP Austria haben sich in allen Stressphasen – von der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs bis zu den aktuellen geopolitischen Spannungen – als robust erwiesen.“ Dennoch führe die gestiegene Häufigkeit von Stressereignissen zu höheren Sicherheitsanforderungen und einem erhöhten Liquiditätsbedarf. Mit Blick auf die Lage rund um die Straße von Hormus warnte die Expertin: „Solange es keine dauerhafte diplomatische Lösung gibt, werden die Märkte sehr volatil bleiben.“
Europäische Antwort gefragt
Sowohl die beiden Expertinnen als auch Gastgeberin Michaela Dietl-Drack vom Bankhaus Spängler waren sich einig, dass einzelne Länder den Herausforderungen am Energiemarkt allein kaum begegnen können. Langfristig seien eine gut funktionierende europäische Marktkopplung und ein gemeinsames, EU-weites Vorgehen unerlässlich – für Preisstabilität, Versorgungssicherheit und die Bewältigung geopolitischer Risiken.