(12.01.2026, Salzburg) - "Das Jahr 2026 hat geopolitisch turbulent begonnen, dennoch ist die Stimmung an den Kapitalmärkten bislang gut. Für uns stellen sich zwei zentrale Fragen: Was spricht für die Fortsetzung einer positiven Entwicklung und wo lauern die wesentlichen Gefahren?" Das sagt Nils Kottke, Mitglied des Vorstands im Bankhaus Spängler, im aktuellen Kapitalmarktausblick der ältesten Privatbank Österreichs für das erste Quartal 2026. "KI war im vergangenen Jahr das bestimmende Thema für die Märkte, Gold erlebte einen außergewöhnlichen Höhenflug und zahlreiche Indizes erreichten Allzeithochs", ergänzt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler. Die beiden Experten analysieren, welche Faktoren die Kapitalmärkte in den kommenden Monaten bewegen werden.
Wirtschaft in Europa wächst moderat, USA und China robuster
Die konjunkturellen Aussichten für das Jahr 2026 fallen regional unterschiedlich aus. Die Wirtschaft der Eurozone sollte trotz vielfacher fiskalischer Unterstützung in diesem Jahr nur um 1,2 Prozent wachsen. „Dies liegt daran, dass mehrere wichtige Länder der Eurozone, wie beispielsweise Deutschland, Österreich oder Frankreich, mit Problemen kämpfen”, erklärt Dürnberger. In den USA zeigt sich die Konjunktur hingegen weiterhin robust und wird auch in diesem Jahr um rund 2,0 Prozent zulegen. „Hierzu tragen die lockere Geldpolitik der Fed sowie die vermehrten Ausgaben und Steuererleichterungen der amerikanischen Regierung bei”, so der Asset Manager. Die chinesische Wirtschaft wird weiterhin durch staatliche Maßnahmen unterstützt. Allerdings gibt es in China nach wie vor strukturelle Probleme, sodass sich die Konjunktur in Richtung 4,5 Prozent abschwächen wird.
Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft
Wichtige Frühindikatoren signalisieren eine positive wirtschaftliche Entwicklung. So zeigen die auf Umfragen unter Unternehmen zu Produktion, Auftragslage oder Beschäftigung beruhenden Einkaufsmanager-Indizes sowohl für Europa als auch für die USA Werte deutlich über der Expansionsmarke von 50. „Die Stimmungslage der Einkaufsmanager ist in beiden Marktregionen grundsätzlich noch gut und signalisiert weiteres Wachstum”, betont Kottke. In Europa liegt der kombinierte Index bei 51,9, in den USA bei 53,0. Dass die Wirtschaft in der Eurozone weiter zulegen dürfte, zeigt sich auch anhand der Kreditvergabe: Die Banken haben Haushalten und Unternehmen mehr Kredite gewährt.
Inflation auf Zielkurs, unterschiedliche Zinspolitik
Die Inflation hat sich in der Eurozone dem Zielwert angenähert und sinkt auch in den USA. Der stark gestiegene US-Zollsatz scheint die Inflation in den USA bislang nicht weiter anzuheizen. „Niedrigere Energiepreise und ein verlangsamter Lohnanstieg kompensieren die Zolleffekte”, erklärt Dürnberger. Die Zinspolitik der Notenbanken bleibt unterschiedlich. „Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus beendet, während die Fed bis 2026 weitere Lockerungsschritte vornehmen wird”, so Kottke. Das Zinsniveau wird in den USA auch am Jahresende deutlich über dem europäischen liegen.
Aktienmärkte auf Allzeithochs, Gewinnwachstum erwartet
Trotz geopolitischer Krisen war 2025 ein erfreuliches Anlagejahr. Der amerikanische Markt verzeichnete eine Wertsteigerung von 16,4 Prozent (in US-Dollar), der europäische Markt 16,7 Prozent und der chinesische Markt sogar 28,3 Prozent (in Renminbi). „Aufgrund des starken Euros waren die Anlageergebnisse für europäische Investoren allerdings deutlich gedämpfter”, betont Kottke. Euro-Anleger erzielten mit US-Aktien lediglich eine Rendite von 2,6 Prozent. Auffällig sind die Allzeithochs zahlreicher Indizes im noch jungen Jahr 2026: Der DAX notierte erstmals über 25.000 Punkten und der Stoxx 600 über 600 Punkten. Der Markt erwartet für die kommenden zwölf Monate ein deutliches Gewinnwachstum. „Dies gilt sowohl für US-Unternehmen, für die aktuell ein Gewinnwachstum von knapp 15 Prozent erwartet wird, als auch für europäische Unternehmen mit knapp 12 Prozent”, erklärt Kottke. Diese positive Gewinndynamik würde auch die aktuell hohen Bewertungen in der Zukunft dämpfen bzw. gäbe Spielraum für weitere Kurssteigerungen.
KI-Unternehmen stark verwoben, Bewertungen überdurchschnittlich
Künstliche Intelligenz ist und bleibt das bestimmende Thema für die Märkte. Im Fokus stehen dabei die großkapitalisierten US-Technologieunternehmen. „Da die Unternehmen untereinander starke Geschäftsbeziehungen pflegen, sind sie mittlerweile eng miteinander verwoben“, erklärt Dürnberger. Einige Marktteilnehmer:innen erachten diese Abhängigkeit als Risiko, sollte ein großes Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Neben der Verflechtung ist die Bewertung ein weiterer Kritikpunkt. Das durchschnittliche KGV des S&P-500-IT-Sektors liegt aktuell bei 39,8. „Wie man im historischen Vergleich sieht, sind die US-Technologieunternehmen aktuell zwar überdurchschnittlich hoch bewertet, aber eben nicht extrem hoch. Zu Beginn der 2000er-Jahre, als die Dotcom-Blase platzte, war die Bewertung um ein Vielfaches höher“, beruhigt der Asset Manager.
Dollar schwächelt, Gold auf Rekordniveau
„Die US-Regierung hat mit ihrer erratischen und oftmals nicht nachvollziehbaren Zoll- und Außenpolitik viel Vertrauen zerstört. Zudem steht die US-Notenbank Fed unter enormem politischem Druck. Es besteht die Gefahr, dass sie ihre Unabhängigkeit verliert. Das würde ebenfalls auf den Dollar lasten“, erklärt Dürnberger. Es ist möglich, dass sich der Dollar in diesem Jahr weiter abschwächt, allerdings nicht so deutlich wie im vergangenen Jahr. Gold hat sich im Jahr 2025 um 65 Prozent in US-Dollar und um 45 Prozent für Euro-Anleger verteuert. Kurz vor dem Jahreswechsel hat der Goldpreis mit über 4.500 Dollar je Feinunze sogar ein neues Allzeithoch verzeichnet. „Es gibt gute Gründe, die für weitere Kursanstiege sprechen. So ist zu vermuten, dass viele Zentralbanken ihre Abhängigkeit vom US-Dollar weiter reduzieren möchten und entsprechend weiter in Gold investieren“, so Kottke.
Moderates Wachstum im Basisszenario, vielfältige Risiken
Was bedeutet das alles für Anleger:innen? Das Bankhaus Spängler sieht für das erste Quartal 2026 ein moderates Wirtschaftswachstum, eine unter Kontrolle bleibende Inflation in Europa sowie weitere Zinssenkungen in den USA als Basisszenario. „Die Unternehmensgewinne dürften moderat steigen”, prognostiziert Dürnberger. Er nennt die (Geo-)Politik, eine wieder steigende Inflation, hohe und weiter steigende Staatsschulden, die Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert, sowie die aktuell hohen Bewertungen als wesentliche Risiken.