(06.02.2026, Salzburg) - "Das neue Jahr hat an den Kapitalmärkten direkt mit Aufregung begonnen. US-Präsident Trump drohte mit neuen Zöllen, Edelmetalle erreichten Rekordhöhen und der Dollar wertete weiter ab", sagt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler, in einem aktuellen Kapitalmarktupdate der ältesten Privatbank Österreichs. "Die Aktienmärkte haben sich von den Turbulenzen kaum beeindrucken lassen und teilweise neue Rekordhochs markiert", ergänzt Portfoliomanager Daniel Briesemann. Die beiden Experten analysieren die jüngsten Entwicklungen an den Märkten und ordnen Chancen und Risiken für Anleger:innen ein.
Konjunktur: IWF hebt Wachstumsprognosen leicht an
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum in seinem Update vom Jänner leicht auf 3,3 Prozent angehoben. "Rückenwind kommt von Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie von der Fiskal- und Geldpolitik", erklärt Dürnberger. Das Wachstum ist jedoch ungleich verteilt. Die USA profitieren von niedrigeren Zinsen, der IWF revidierte die Prognose für die Vereinigten Staaten nach oben auf 2,4 Prozent. Für die Eurozone wird ein Wachstum von 1,3 Prozent erwartet. „In China spielen staatliche Unterstützungsmaßnahmen eine wichtige Rolle”, so Dürnberger. Der IWF hob die Prognose für China auf 4,5 Prozent an.
Geldpolitik: EZB auf gutem Weg, Sorgen um Unabhängigkeit der Fed
Die EZB sieht sich mit ihrer Geldpolitik auf einem guten Weg. Die Marktteilnehmer:innen erwarten in diesem Jahr keine Zinsveränderungen. Spannender ist die Situation in den USA. „US-Präsident Trump fordert seit Langem deutlich niedrigere Zinsen von der Fed”, erklärt Briesemann. Trump attackiert seit Monaten den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Im Mai soll Kevin Warsh dessen Nachfolge antreten. „Angesichts dieser Attacken sind die Marktteilnehmer:innen besorgt, dass die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit verlieren könnte”, warnt der Portfoliomanager. Sie erwarten von der Fed in diesem Jahr nur zwei Zinssenkungen.
Anleihen: Renditen in Japan auf Rekordhochs geklettert
An den Anleihemärkten stiegen die Renditen langlaufender Staatsanleihen. Besonders stark war der Anstieg in Japan, wo die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen den höchsten Stand seit 27 Jahren erreichte. „Dies hängt mit Sorgen über ausufernde Schulden zusammen, nachdem die neue Regierung umfangreiche Fiskalmaßnahmen angekündigt hatte”, so Spängler-Experte Dürnberger. „Der Renditeanstieg schwappte auf die USA über, wo die Ausgabenpläne der Regierung ebenfalls zu steigenden Renditen führen. An den europäischen Anleihemärkten hielten sich die Anstiege dagegen in Grenzen.“
Aktien: Europäische Papiere schlagen erneut den US-Markt
Europäische Aktien entwickelten sich im Jänner besser als US-Werte. Noch besser liefen die Emerging Markets und Japan. „US-Aktien legten zwar leicht zu, ihre Performance wurde aber durch den schwachen Dollar fast vollständig aufgezehrt”, erklärt Daniel Briesemann. Am 20. Jänner war ein Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump vorüber. „Die Entwicklung des US-Marktes ähnelt jetzt sehr der von vor acht Jahren”, so der Experte. Auch die Entwicklung des Dollars ähnelt sich – damals wie heute hat die US-Währung unter Trump deutlich abgewertet.
Edelmetalle: Gold und Silber mit starker Korrektur nach unten
Gold und Silber eilten lange Zeit von Rekord zu Rekord. Im Jänner überwand Gold die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze, während Silber auf über 100 US-Dollar sprang. „Die Gründe sind vielfältig: Unsicherheit über US-Zölle, Sorgen über die Unabhängigkeit der Fed und ein starkes Kaufinteresse von institutionellen Investoren”, zählt Dürnberger auf. Ende Januar gab es dann eine überfällige Korrektur, im Zuge derer Gold und Silber zweistellige Verluste hinnehmen mussten. „Seit Jahresbeginn liegen aber beide Edelmetalle trotz der Korrektur noch deutlich im Plus”, betont Dürnberger. Gold sei im letzten Jahr um 65 Prozent und Silber um 150 Prozent gestiegen. „Im Spängler Asset Management waren wir vorher nicht euphorisch und jetzt sind wir nicht panisch.”
Ausblick: Basisszenario des Bankhaus Spängler mit moderatem Wachstum
Das Basisszenario des Bankhaus Spängler ist gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, eine unter Kontrolle bleibende Inflation in Europa und weitere Zinssenkungen in den USA. "Risiken sehen wir in der Geopolitik, hohen Staatsschulden, der Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert, sowie den hohen Bewertungen", fasst Portfoliomanager Briesemann zusammen. “Chancen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, eine mögliche Entspannung im Ukraine-Krieg sowie Produktivitätssteigerungen durch KI dar.”