Exklusives Interview mit Josef Dygruber von claro

Nach dem Motto "claro – Grün. Aber gründlich." stellt die Firma claro umweltfreundliche Geschirrspülprodukte her. 1995 wurde claro von Josef Dygruber in Mondsee gegründet. 2010 wäre das Unternehmen fast bankrott gegangen. Doch Josef Dygruber ließ sich nicht unterkriegen und schreibt wieder schwarze Zahlen. Aus der Corona-Krise geht claro als Gewinner hervor, denn der Bedarf an Geschirrspülmitteln ist gestiegen. Gründer und CEO Josef Dygruber spricht über die Anfänge seiner Firma, Vorbilder, Resilienz, Unternehmertum, Nachfolgepläne, seinen Forschergeist und was ihn antreibt.  

 
pic interview spaengler Dygruber Claro
Der gebürtige Tennengauer Josef Dygruber gründete 1995 das Unternehmen claro. Obwohl die Vorzeichen nicht immer gut standen, glaubte er an seine Vision. Mittlerweile werden jährlich über 240 Millionen Geschirrspültabs der Firma claro produziert und exportiert. (Fotos: claro)
 

Sie haben 1995 den Schritt gewagt, das Unternehmen claro zu gründen. Wie entstand diese Idee und was war Ihr Antrieb? 
Josef Dygruber: Ich bin in Hallein geboren. Nach der Matura an der Handelsakademie fing ich bei einer Regionalbank als Bankberater an und wurde dann von der Waschmittelfirma Benckiser abgeworben. Ich war fünf Jahre lang als Assistent des Geschäftsführers und später als Verkaufsleiter bei dem deutschen Familienunternehmen im Besitz der Familie Reimann beschäftigt. Mein damaliger Chef war davon überzeugt, dass sich Geschirrspültabs am Markt langfristig nicht durchsetzen würden. Er war ein Vorbild für mich, daher verstand ich nicht, wie er den Markt nicht sehen konnte. Das war die eigentliche Initialzündung und meine Chance, das Gegenteil zu beweisen. 

"Das war meine Chance, das Gegenteil zu beweisen."

Warum wollten Sie den Job als Verkaufsleiter an den Nagel hängen und in diesen hart umkämpften Markt einsteigen? 
Josef Dygruber: Als Verkaufsleiter bekam ich einen guten Einblick in das Markenartikelgeschäft von Haushaltsprodukten, wie zum Beispiel Calgon und Calgonit – heute Finish – und lernte die Handelslandschaft kennen. Es entstand der Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und eine eigene Marke von Null aufzubauen. 

Was fasziniert Sie am Unternehmertum? Was macht einen Unternehmer aus?
Josef Dygruber: Ich kam aus keiner Unternehmerfamilie, mein Vater war Fabriksarbeiter und im Prinzip war ich nie ein guter Schüler. Mein Großvater hätte gerne gesehen, dass ich Bankdirektor werde. Als ich bei einer Waschmittelfirma angefangen habe, brach für ihn die Welt zusammen. Das war ein guter Antrieb für mich, den anderen zu zeigen, dass ein schlechter Schüler dennoch ein guter Unternehmer sein kann. Als Unternehmer ist es wichtig, präsent zu sein, bereit für die nächsten Schritte, aufzuzeigen und zu sagen "da bin ich"! Sonst wäre ich nicht mit 24 Jahren Verkaufsleiter geworden und hätte auch kein eigenes Unternehmen aufgebaut. Ich bin ein Praktiker und ein Querdenker. 

"Als Unternehmer ist es wichtig, präsent zu sein und zu sagen "da bin ich"!"

Ihr Unternehmen wäre vor gut 10 Jahren fast pleite gegangen? Was ist falsch gelaufen? 
Josef Dygruber: Ich produzierte als Erster für Hofer und Aldi Geschirrspültabs in Form von Eigenmarken. Das bescherte uns Umsätze und Erträge. Wir investierten in Produktion und Technik, gleichzeitig stieg der Wettbewerbs- und Preisdruck und die Wertschöpfung wurde immer geringer. Unsere Eigenmittelquote sank auf 8 Prozent und die Schuldentilgungsdauer stieg ins Unendliche. Ich machte 22 Millionen Euro Umsatz und schrieb eine Million Euro Verlust am Jahresende. Das passte einfach nicht zusammen! 

Wie haben Sie die Kurve gekriegt? 
Josef Dygruber: Ich habe Bewährtes auf den Kopf gestellt und einen massiven Turnaround geschafft, indem ich den Umsatz deutlich reduzierte, die Firma neu aufstellte und auf Bereiche, die wertschöpfungsmäßig interessant sind, setzte. Meine Geschäftspartner haben mir in dieser schwierigen Phase nicht geholfen. Aber meine Bank und meine Familie standen hinter mir und haben an mich geglaubt, das gab mir Kraft. 

Was bedeutet Erfolg für Sie und was treibt Sie an? 
Josef Dygruber: Geld ist wichtig, aber nicht mein Motor. Was mich antreibt, sind meine Kämpfernatur und eine gesunde Portion Stolz. Er lässt nicht zu, zu scheitern und treibt mich an, sodass ich zu Dingen fähig bin, von denen ich im Nachhinein sage "wow, das war mutig". 

Geben Sie Ihren Unternehmer-Spirit auch an Ihre Kinder weiter? 
Josef Dygruber: Ich habe einen 12-jährigen Sohn und eine 23-jährige Tochter − mit der gleichen Frau und wir sind immer noch zusammen. Das sind Werte, auf die man stolz sein kann. Meine Tochter hat ihr Studium an der FH Kufstein mit Schwerpunkt Unternehmensführung im Juni 2020 mit dem Bachelor abgeschlossen. Bei claro absolvierte sie bereits ein 10-wöchiges Praktikum. Ich möchte jedoch nicht meine ganze Aufmerksamkeit auf die Nachfolge durch meine Kinder legen. Wenn sie doch etwas anderes machen möchten, wäre das auch in Ordnung.

Welche Pläne und Träume haben Sie für die Zukunft? 
Josef Dygruber: Ich fange schon jetzt an, loszulassen. Ich habe eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter gemacht, da es mein großer Traum ist, einmal einen Bauernhof zu haben. Worin ich mich bereits übe, ist das Management operativ arbeiten zu lassen und mich mehr um die Strategie zu kümmern. 

Planen Sie bereits Ihre Unternehmensnachfolge? 
Josef DygruberIn den nächsten zehn Jahren möchte ich so Gott will noch ordentlich Gas geben und in fünf Jahren damit anfangen, den Nachfolgeprozess vorzubereiten. Entweder wird die Nachfolge familienintern geregelt oder über das externe Management. 

Haben Sie Vorbilder? 
Josef Dygruber: Ich bewundere Personen wie Dietrich Mateschitz, der in Hallein in einer ähnlichen Branche wie ich, bei der Firma Blendax, als Marketingmanager tätig war. Red Bull hat es anfangs nicht leicht gehabt und plötzlich wurde daraus eine Erfolgsstory. Darauf ist man als Österreicher stolz. Ich bin auch enorm stolz auf meine Firma, meine Mitarbeiter und die Marke claro. Eine Marke entsteht nicht in 12 Monaten. Ich arbeite seit über 25 Jahren an dem Markenaufbau und erst jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mich auch einmal zurücklehnen kann und feststelle, dass mein Unternehmen eine positive Eigendynamik entwickelt hat. Wir wurden Testsieger bei Stiftung Warentest, meine Managementstruktur funktioniert und meine Mitarbeiter tragen den Spirit von claro nach außen. 

"Erst jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mich auch einmal zurücklehnen kann und feststelle, dass mein Unternehmen eine positive Eigendynamik entwickelt hat."


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claro unterstützte Thomas Schloss und Thomas Grüner bei der Entwicklung der Duschtabs "Waltz 7 – Aus Dusche wird Spa". Bei der Puls4-Startup-Show "2 Minuten 2 Millionen" stiegen gleich fünf Investoren ein. Dygrubers Ansatz für seine Firma ist jedoch, anstelle kurzfristiger Gewinne eine Marke aufzubauen, die vererbbar ist. (Foto: Gerry Frank) 

Sie waren als Business Angel für ein junges Start-up aktiv? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? 
Josef Dygruber: Ich unterstützte zwei Jungs dabei, Duschtabs auf den Markt zu bringen, die mit ätherischen Ölen angereichert sind und beim Duschen ihren Duft entfalten. Sie werden online vertrieben und sind bei Handelsketten wie BIPA, dm und Interspar gelistet. Die "5 Minuten Spa"-Idee hätte sich auch für Hotelketten angeboten. Was ich kritisiere, ist, dass so viele junge Leute ein Start-up bereits mit dem Gedanken gründen, in drei Jahren einen Exit mit möglichst hohem Gewinn zu machen. Das ist für mich kein Unternehmertum, da steckt kein Markenaufbau dahinter. 

"So viele junge Leute gründen ein Start-up bereits mit dem Gedanken, in 3 Jahren einen Exit zu machen."

Was bedeutet Markenaufbau für Sie? 
Josef Dygruber: Mein Ziel ist es, eine Marke aufzubauen und sie vererbbar zu machen. Das befriedigt mich viel mehr als Geld. 

Ist der Markt an Geschirrspültabs bereits gesättigt oder gibt es noch Potenzial? 
Josef Dygruber: Die Haushaltspenetration liegt bei ca. 70 Prozent. Ich absolvierte berufsbegleitend ein BWL-Studium. In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit alternativen Vertriebswegen und entwickelte ein neues Premium-Produkt namens clearwhite, das über den Elektrofachhandel vertrieben wird. Auch auf die Vertriebsschiene des Online-Handels sind wir früh aufgesprungen. Wir investieren viel in Online-Marketing und die Verkäufe über unseren Online-Shop nehmen wöchentlich zu. 

Sie verlegten Ihren Firmenstandort von Mondsee nach Anif bei Salzburg. Wie kam es dazu und was bedeutet das für claro? 
Josef Dygruber: Der Standort in Mondsee platzte aus allen Nähten, daher wollte ich entweder ein Grundstück erwerben oder einen größeren Standort anmieten. Ich entschied mich für Zweiteres, da wir flexibler sind und die Marke weiter vorantreiben können. Da viele meiner Mitarbeiter im Mondseeland leben, habe ich ein Mobilitätskonzept entwickelt. Ich stelle ihnen Elektroautos zur Verfügung, die sie auch zum Wochenende nutzen können und setze auf Arbeitszeitflexibilität. Wertschätzung drückt sich nicht nur monetär aus, sondern auch durch Benefits. 

pic interview spaengler dygruber Kilimandscharo
2020 bestieg Josef Dygruber den Kilimandscharo. Um seinen Körper gezielt auf die großen Höhen vorzubereiten, absolvierte der ehemalige Triathlet aus Zeitmangel ein Höhentraining auf seinem Dachboden. 

Sie bestiegen den Kilimandscharo. Aus welcher Motivation heraus machten Sie die Expedition und wie war die Erfahrung für Sie? 
Josef Dygruber: Ich wollte mich für eine Woche aus dem Alltagstrubel herausnehmen und einmal offline sein. Mein Motto lautet "Eine Viertelstunde vor dem Gipfel gibt man nicht auf". Es ist zäh, aber die Aussicht am Gipfel ist jede Mühe wert. Das kann man auch auf den Alltag umlegen. Resilienz ist meiner Meinung nach eine wichtige Charaktereigenschaft als Unternehmer und im Leben generell. 

"Eine Viertelstunde vor dem Gipfel gibt man nicht auf. Die Aussicht am Gipfel ist jede Mühe wert. Das kann man auch auf den Alltag umlegen."

 

Vielen Dank für das interessante Interview!

Redaktion: Mag. Sarah Eibl 
Gespräch: Mag. Eva-Maria Weidl 

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