Neue US-Zollrunde im Handelsstreit mit China

Erklärung des US-Präsidenten (veröffentlicht am 17. September 2018): "Heute, nach sieben Wochen öffentlicher Bekanntmachung, Anhörungen und umfangreichen Möglichkeiten für Eingaben, habe ich den Handelsbeauftragen der Vereinigten Staaten angewiesen, die Einführung zusätzlicher Zölle auf etwa 200 Milliarden Dollar auf Einfuhren aus China umzusetzen. Die Zölle gelten ab dem 24. September 2018 und werden bis zum Jahresende auf 10 Prozent festgelegt. Mit 1. Januar werden die Zölle auf 25 Prozent angehoben. Wenn China Gegenmaßnahmen gegen unsere Farmer oder andere Industrien ergreift, werden wir unverzüglich die dritte Phase implementieren, d.h. Zölle auf etwa 267 Mrd. USD zusätzlicher Importe einführen."

Die Liste der von der jüngsten Zollrunde betroffenen Waren besteht aus Zwischenfabrikaten (rund 50%), Investitionsgütern (30%) und Konsumgütern (20%) und entspricht weitgehend der im Juli veröffentlichten Liste. Angesichts der Vergeltungsmaßnahmen Chinas (angekündigt am 18. September) dürften die USA Zölle auf die verbleibenden Einfuhren aus China (267 Mrd. USD) erheben, wobei die Liste der dritten Phase einen hohen Anteil an Konsumgütern enthalten wird (Computer, Mobiltelefone, Spielzeug, Audiogeräte, Fernseher und Schuhe).

Chinas Vergeltungsmaßnahmen dürften aus zusätzlichen Zöllen und nichttarifären Hemmnissen bestehen (z.B. informelle Kampagnen gegen US-Markenprodukte, informelle Einschränkung des Marktzugangs für US-Unternehmen, Steuervergünstigungen für Exporteure und eine moderate Renminbi-Abwertung).

Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Zollerhöhung sind vergleichbar mit einer Steuererhöhung (Verringerung der "Nach-Zoll-Einkommen" der Verbraucher aufgrund steigender Preise für importierte Waren, ähnlich einem Ölpreisschock). Der Effekt ist weitgehend einmaliger Natur, sowohl für die Inflation als auch für das BIP.

Es gibt zwei Haupt-Szenarien. Erstens könnten die USA und China in den kommenden Wochen ein Abkommen aushandeln, was an den Aktienmärkten begrüßt würde (insbesondere in China, aber auch in Europa und, in geringerem Maß, in den USA). Im zweiten Szenario würden die USA Zölle (und chinesische Vergeltungsmaßnahmen) dauerhaft bleiben. Dieses Szenario impliziert ein höheres Preisniveau in den USA. Wenn die USA einen Zollsatz von 25% auf alle ihre Einfuhren aus China festlegen, würde das US-Preisniveau um etwa 0,7% steigen. Der Effekt auf das US-BIP wäre leicht negativ (einmalig etwa -0,2 bis -0,4%). Die Auswirkungen auf das BIP Chinas und die Gewinnmargen der Exporteure wären stärker negativ (die Exporte in die USA, die im August auf ein Allzeithoch stiegen, machen rund 4% des BIPs von China aus), da die US-Importeure nach alternativen Lieferanten suchen würden je länger die US-Strafzölle erhoben werden. Kurzfristig könnten auch die globalen Lieferketten von Störungen betroffen sein.

Aktienentwicklung

Chart zur Aktienentwicklung: Während sich der US-Aktienmarkt (MSCI USA) von den Handelsstreitigkeiten unbeeindruckt zeigt und auf einem Allzeithoch notiert, hat der chinesische Aktienmarkt (MSCI CHINA) jüngst ein neues Jahrestief markiert. 

Folgerungen

Die kurzfristigen Marktunsicherheiten sind nach wie vor überdurchschnittlich hoch, wobei weiterhin eine Verhandlungslösung (d.h. mittelfristig wenig negative Auswirkungen) möglich erscheint - vermutlich aber erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres. Eine Verhandlungslösung erfordert (zumindest) niedrigere chinesische Exporte und höhere Importe in die/aus den USA (was die chinesische Wirtschaft 2019 einmalig belastet).

Das Alternativszenario wäre, dass die USA und China keine Einigung erzielen (und beide Länder die diesjährigen Zölle aufrechterhalten, wobei die USA einen Zoll auf alle Einfuhren aus China erheben). Dies wäre mit einem stärkeren Rückgang des chinesischen BIPs im Jahr 2019 und 2020 verbunden (was jedoch teilweise durch eine lockere Geldpolitik und erhöhte Staatsausgaben ausgeglichen würde). Unter diesem Szenario dürfte China in den kommenden Jahren seinen Übergang in Richtung einer primär vom Konsum getragenen Wirtschaft beschleunigen (ein Szenario, das für China unter Umständen attraktiv sein könnte).