Notenbanken halten (noch) die Füße still

Die Notenbanken stellen aktuell keine Veränderungen ihrer geldpolitischen Strategien in Aussicht. Obwohl der Inflationsmotor nicht anzuspringen scheint, wird sich die Europäische Zentralbank erst bei ihrer nächsten Sitzung am 10. Dezember auf neue geldpolitische Maßnahmen einigen. Auch die amerikanische Notenbank FED behält den eingeschlagenen Kurs bei und richtet die Geldpolitik mit einem Fokus auf Anleihekäufe aus.

EZB: Inflation als wichtiger Faktor

Die Europäische Zentralbank wird vorerst an ihrer Strategie festhalten und auch im vierten Quartal eine Niedrigzinspolitik betreiben. So liegt der Hauptrefinanzierungszinssatz unverändert bei 0,00 %, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25% und der Einlagensatz bei -0,50 %.

Im Zuge einer EZB-Tagung im September argumentierte die EZB-Vorsitzende Christine Lagarde, dass es ausschlaggebend sei, ein machbares Inflationsziel zu definieren. In Frage kommen könnte hier eine Strategie, bei der Zeiträume mit besonders geringer Inflation dadurch ausgeglichen werden, dass Perioden mit einer höheren Inflation ohne Gegenmaßnahmen hingenommen werden. Die mittelfristige Preisstabilität wird von der Zentralbank mit einer jährlichen Teuerungsrate nahe der 2 %-Marke im Euroraum festgelegt. Dieser Zielwert wird jedoch seit längerem nicht erreicht.

Für den kommenden Monat hat die Europäische Zentralbank bereits weitere Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Da die wirtschaftlichen Unsicherheiten und Risiken jedenfalls bis über das erste Quartal 2021 fortbestehen werden, erscheint eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms (PEPP) der EZB bis Ende des nächsten Jahres relativ sicher. Eine Aufstockung des Volumens des Notfallprogramms wäre aktuell nicht erforderlich, da im letzten Monat die Nettoanleihekäufe durch die Zentralbank in Summe um knapp EUR 14 Mrd. im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen sind. Außerdem ist das gesamte PEPP-Volumen bislang nur etwa zur Hälfte ausgeschöpft.

Ein aktuell viel diskutiertes geldpolitisches Instrument zur Anhebung der niedrigen Inflation ist die Senkung der Zinssätze. Die möglichen Auswirkungen einer Zinssenkung sorgen bei Experten jedoch für Uneinigkeit.

Grafik 1: Prognose zu EZB-Leitzins und 3-M-EURIBOR

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Zu Grafik 1: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg, Stand: 09.11.2020  

Folgt man der Auffassung des österreichischen Nationalbankchefs, wären Zinssenkungen nicht ausreichend, um die Inflation auf Kurs zu bringen. Vielmehr sollte seiner Ansicht nach bei weiteren geldpolitischen Maßnahmen ein besonderes Augenmerk auf die Güte gelegt werden, anstatt die Geldmengen weiter zu erhöhen.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel ist anderer Ansicht und hält den Beschluss einer Zinssenkung im Zuge der EZB-Sitzung im Dezember für möglich. Eine Limitierung des PEPP sei ihrer Meinung nach wichtig, um wieder auf die gewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen zurückgreifen zu können.

Bis zur nächsten EZB-Sitzung am 10. Dezember bleibt also erst einmal alles unverändert. Für die Entscheidungsfindung zur neuen geldpolitischen Strategie stellen jedenfalls der konjunkturelle Erholungsverlauf der Union sowie die Inflation die wichtigsten Faktoren dar.

FED: Zinskurs stabil, Anleihekäufe werden forciert

Ähnlich wie die europäische Zentralbank, fährt auch die US-amerikanische Federal Reserve Bank (FED) einen äußerst lockeren geldpolitischen Kurs. Im Zuge der jüngsten Sitzung der FED am 5. November entschied der Offenmarktausschuss, vorerst keine Zinsanpassungen vorzunehmen.

Auch in den kommenden Monaten liegt die Federal Funds Rate in der Bandbreite zwischen 0,00 % und 0,25 %. Dieser Bereich bleibt so lange unverändert, bis das Inflationsziel von 2 % und ein leichtes Überschießen der Inflation als möglich erscheint.

In diesem Zusammenhang hat sich die FED auch für weiterhin tiefe Zinsen bis zumindest 2023 ausgesprochen (Grafik 2). In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank ein Augenmerk auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes werfen, um die Notwendigkeit von Fiskalhilfen einschätzen zu können.

Grafik 2: Prognose zu FED-Leitzins und US-Treasuries 

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Zu Grafik 2: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg, Stand: 09.11.2020

Ähnlich der aktuellen Strategie der EZB, forciert auch die amerikanische Notenbank ihr Anleihekaufprogramm als wichtigstes geldpolitisches Instrument. Momentan werden monatlich USD 80 Mrd. an US-Staatsanleihen durch die FED gekauft.

Aufgrund der turbulenten US-Präsidentschaftswahlen, die am 3. November stattfanden, übt sich die amerikanische Notenbank zunächst in Zurückhaltung, bis die Auswirkungen absehbarer werden. Der Ausgang der Wahlen wird in weiterer Folge einen maßgeblichen Einfluss auf den Umfang weiterer staatlicher Stimuluspakete haben. Zwar betonte FED-Präsident Jerome Powell die Wichtigkeit weiterer fiskalischer Hilfspakete, gleichzeitig stellte die FED im Verlauf der letzten Sitzung jedoch klar, den geldpolitischen Kurs je nach Ausmaß der Hilfen seitens der Regierung kurzfristig anzupassen, sollte dies erforderlich sein.

Für die kommenden Monate sind demnach keine unmittelbaren Veränderungen in der Geldpolitik der Vereinigten Staaten geplant. Vielmehr wird die Zinsrate beibehalten und das Anleihekaufprogramm weiter forciert. Weiters wird die FED den Verlauf der Regierungsbildung abwarten, da dies mittelfristig einen großen Einfluss auf den Umfang weiterer Fiskalmaßnahmen haben wird. Die jüngsten Meldungen über einen möglichen Corona-Impfstoff befeuern dennoch Hoffnungen, dass der Pandemieverlauf bald eine positive Wendung machen könnte.

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Wichtige Hinweise

Zu den Grafiken und Tabellen: Stand 09.11.2020. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die hier dargestellten Angaben dienen, trotz sorgfältiger Recherche, ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht eine, insbesondere nach rechtlichen, steuerlichen und produktspezifischen Gesichtspunkten notwendige, individuelle Beratung für die darin beschriebenen Finanzinstrumente. Die Information stellt weder ein Anbot, noch eine Einladung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und dient insbesondere nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung. Die jeweils gültigen Bedingungen jedes Finanzproduktes und weitere Informationen finden Sie unter www.spaengler.at bzw. beim jeweiligen Produktanbieter. Für Detailauskünfte zu Risiken und Kosten steht Ihnen Ihr persönlicher Berater im Bankhaus Spängler gerne zur Verfügung. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen wurden sorgfältig erarbeitet und beruhen auf Quellen, die als zuverlässig erachtet werden. Alle Informationen, Meinungen und Einschätzungen in diesem Dokument geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers bzw. der Verfasser zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die dargebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft wider. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft ist nicht dazu verpflichtet, dieses Dokument zu aktualisieren, zu ergänzen oder abzuändern, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand, eine enthaltene Stellungnahme, Schätzung oder Prognose ändert oder unzutreffend wird. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der hierin enthaltenen Informationen, Druckfehler sind vorbehalten.