Die USA haben am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen und dabei zahlreiche hochrangige Personen wie den Obersten Führer des Landes, Ali Chamenei, getötet. Ziel der Aktion ist der Sturz des herrschenden Regimes im Iran, das zuletzt Proteste seiner Bevölkerung hat blutig niederschlagen lassen. Ebenso wurden militärische und nukleare Anlagen angegriffen, um den Iran auf diesen Gebieten zu schwächen. Der Iran hat mit Gegenmaßnahmen reagiert und Raketen- und Drohnenangriffe auf militärische und zivile Ziele in der Region durchgeführt. Im Mittelpunkt standen dabei Israel und Golf-Staaten mit Stützpunkten der USA und deren Verbündeten. Daneben hat der Iran die für die Schifffahrt wichtige „Straße von Hormus“ blockiert.
Laut US-Präsident Trump könnte der Angriff noch mehrere Wochen andauern. Er forderte die Generäle des Landes auf, die Macht an das Volk zu übergeben oder ein Modell ähnlich wie in Venezuela anzunehmen. Sollte sich die neue iranische Führung als pragmatischer Partner erweisen, sei er bereit, die Sanktionen gegen das Land aufzuheben. Meldungen zufolge wollen Vertreter des Irans angeblich an den Verhandlungstisch zurückkehren.
Aus Sicht der Kapitalmärkte ist entscheidend, ob sich der Krieg auf die Weltwirtschaft und die Unternehmensgewinne auswirkt und ob er sich weiter ausweitet bzw. wie lange er dauert. Sollte der Krieg nur wenige Wochen dauern, wäre die Wirtschaft wohl kaum betroffen – so wie beim 12-Tage-Krieg im Juni letzten Jahres. Sollte er sich jedoch über mehrere Monate hinziehen, wären die Auswirkungen wahrscheinlich spürbar. Denn dann dürfte die „Straße von Hormus“ länger unpassierbar bleiben und die Ölpreise weiter steigen, was sich wiederum auf die Inflation durchschlagen dürfte. Eine höhere Inflation würde die Kaufkraft der Konsument:innen verringern und die Unternehmen belasten. Auch wäre die Konjunktur durch die von einem längeren Krieg ausgehende Unsicherheit getroffen.
Durch die „Straße von Hormus“ wird täglich rund ein Viertel der weltweiten verschifften Öllieferungen transportiert. Diese Menge könnte nicht ausgeglichen werden, da es kaum alternative Transportrouten in der Region gibt. Das globale Ölangebot würde also deutlich sinken und die Lagerbestände zurückgehen. Allerdings ist der Ölmarkt aktuell gut versorgt, so dass es einen gewissen Puffer bei Produktionsausfällen bzw. Transportunterbrechungen gibt. Die meisten Reedereien haben aber angekündigt, die „Straße von Hormus“ während der Dauer des Krieges zu meiden.
Der Ölpreis ist auch der Indikator, der bislang am stärksten auf die Eskalation im Nahen Osten reagiert hat. In einer ersten Reaktion ist Brentöl heute zeitweise um knapp 14 % auf über 82 USD je Barrel nach oben gesprungen. Anschließend hat sich der Preis jedoch wieder etwas beruhigt und bei etwa 80 USD eingependelt. Damit ist Brentöl seit Jahresbeginn aber schon um über 30 % gestiegen. Der Markt hatte also schon in den letzten Wochen begonnen, das Risiko einer Eskalation im USA-Iran-Konflikt und die damit verbundenen Risiken für das Ölangebot einzupreisen.
Wenn wie jetzt an den Kapitalmärkten die Unsicherheit zunimmt, sind sichere Häfen wie zum Beispiel Gold gefragt. Der Goldpreis ist daher um 2,5 % auf gut 5.400 USD je Feinunze gestiegen. Der US-Dollar und der Schweizer Franken als vermeintliche Fluchtwährungen haben ebenfalls aufgewertet. Die Renditen von Staatsanleihen sind dagegen sogar leicht gestiegen, in diesem Segment ist also keine Suche nach sicheren Häfen zu beobachten. Deutlichere Abschläge gab es zu Handelsbeginn jedoch an den europäischen Aktienmärkten, obwohl sich die Verluste in Asien in Grenzen hielten.
Positionierung im Spängler Asset Management
Wir interpretieren die Reaktion an den Kapitalmärkten heute Morgen dahingehend, dass die Marktteilnehmer:innen nur von einem zeitlich und regional begrenzten Krieg ausgehen. Denn andernfalls hätten die Ausschläge wohl größer ausfallen müssen. Allerdings gehen wir in den kommenden Tagen und Wochen von einer höheren Volatilität an den Märkten aus. Im Spängler Asset Management bleiben wir bei Aktien vorerst neutral positioniert. Im Anleihebereich liegt unser Fokus weiter auf der besten Bonität. Gold bleibt fester Bestandteil unserer Allokation. Wir beobachten die Entwicklungen jedoch genau und werden bei Bedarf reagieren.
Wichtige Hinweise
Die hier dargestellten Angaben dienen, trotz sorgfältiger Recherche, ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht eine, insbesondere nach rechtlichen, steuerlichen und produktspezifischen Gesichtspunkten notwendige, individuelle Beratung für die darin beschriebenen Finanzinstrumente. Die Information stellt weder ein Anbot, noch eine Einladung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und dient insbesondere nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung.
Jede Anlage in Wertpapieren ist mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden. Insbesondere können Kursschwankungen, Zinsänderungen und Bonitätsverschlechterungen des Emittenten den Wert, Kurs oder Ertrag des Wertpapiers negativ beeinflussen. Bei Veranlagung in fremder Währung entsteht zusätzlich ein Währungsrisiko, welches sich ertragsmindernd oder ertragserhöhend auswirken kann.
Die jeweils gültigen Bedingungen jedes Finanzproduktes und weitere Informationen finden Sie unter www.spaengler.at bzw. beim jeweiligen Produktanbieter. Für Detailauskünfte zu Risiken und Kosten steht Ihnen Ihr persönlicher Berater im Bankhaus Spängler gerne zur Verfügung. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen wurden sorgfältig erarbeitet und beruhen auf Quellen, die als zuverlässig erachtet werden.
Alle Informationen, Meinungen und Einschätzungen in diesem Dokument geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers bzw. der Verfasser zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung - insbesondere im Hinblick auf künftig anwendbare regulatorische Neuerungen (EU-Verordnungen und nationale Gesetze etc.) zum Thema Nachhaltigkeit - ändern. Die dargebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft wider. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft ist nicht dazu verpflichtet, dieses Dokument zu aktualisieren, zu ergänzen oder abzuändern, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand, eine enthaltene Stellungnahme, Schätzung oder Prognose ändert oder unzutreffend wird. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der hierin enthaltenen Informationen, Druckfehler sind vorbehalten.
Teilen