Aktien und Anleihen aus Schwellenländern sind 2025 deutlich gestiegen und haben sich besser entwickelt als die etablierten US- und europäischen Märkte. Heuer haben sie bislang nahtlos an die Entwicklung des letzten Jahres angeschlossen und teilweise neue Rekordhochs erreicht. Wir schauen in diesem Kapitalmarktnavigator, was hinter den Kursanstiegen steckt, und beleuchten die Perspektiven.
Starke Kursentwicklung von Aktien und Anleihen
Spricht man über Schwellenländer („Emerging Markets“), denkt man bei Aktien in erster Linie an den MSCI Emerging Markets Index. Laut MSCI bildet der Index fast 1.200 Unternehmen aus 24 Ländern ab. Schwergewichte im Index auf Länderebene sind China und Taiwan, gefolgt von Südkorea und Indien. Ende Jänner standen diese vier Länder für knapp 77 % des Emerging Markets Index. Weitere im Index enthaltene Regionen mit nennenswerter Gewichtung sind Latein-Amerika (zum Beispiel Brasilien, Mexiko) und die Golf-Staaten (zum Beispiel Saudi-Arabien, V.A.E.). Komplettiert wird der Index durch Ost- und Südosteuropa, Südostasien und Südafrika. Auf Branchenebene machen IT und Finanzdienstleistungen zusammen etwas mehr als die Hälfte des Index aus. Mit Abstand folgen Konsumgüter, Kommunikationsdienstleistungen, Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Industrie.
Im letzten Jahr ist der MSCI Emerging Markets Index, der in US-Dollar berechnet wird, um gut 30 % gestiegen. Damit stellte er den S&P 500 aus den USA in den Schatten, der nur etwa halb so stark zulegen konnte. Der schwache US-Dollar hat allerdings aus Sicht eines Euro-Investors die Performance deutlich geschmälert: In Euro gerechnet legten Schwellenländeraktien 2025 um rund 15 % zu, womit sie sich aber immer noch deutlich besser entwickelten als US-Aktien und fast gleichauf mit europäischen Aktien, gemessen am Stoxx 600, waren. Zwei Regionen gilt es in der Performance-Betrachtung hervorzuheben: Asien/Pazifik und Latein-Amerika. Während Asien/Pazifik mit einem Plus von rund 25 % etwas hinter dem breiten Schwellenländerindex zurückblieb, hat sich Latein-Amerika mit rund 46 % deutlich besser entwickelt. Heuer sind sowohl der breite Schwellenländerindex als auch Asien/Pazifik und Latein-Amerika mit zweistelligen Kursanstiegen in das Jahr gestartet, wobei Latein-Amerika erneut klar die Nase vorn hatte. In der Grafik ist die Performance der jeweiligen Indizes in Euro dargestellt.
Auf der Anleiheseite kommt man am J.P. Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI) nicht vorbei. Dieser bildet Staatsanleihen und Anleihen von Emittenten, die entweder vollständig in Staatsbesitz oder staatlich besichert sind, aus Schwellenländern ab. Sie müssen in US-Dollar denominiert sein. Im Index vertreten sind die Regionen Latein-Amerika, Asien, Mittlerer Osten, Europa und Afrika. Der Index hat 2025 um über 13 % zugelegt und ist auch heuer mit Kursgewinnen in das Jahr gestartet. Der schwache US-Dollar hat aus Sicht eines Euro-Investors die Performance allerdings zunichte gemacht. Schwellenländeranleihen sind im letzten Jahr deutlich besser gelaufen als US-Staatsanleihen mit vergleichbarer Duration und lagen nur wegen der Währungsentwicklung hinter europäischen Staatsanleihen.
Treiber der Kursentwicklung
Hinter den kräftigen Kursanstiegen stecken mehrere Gründe, auf die wir im Folgenden eingehen.
Da in Asien, insbesondere in China, Taiwan und Südkorea, viele Technologie-Unternehmen beheimatet sind, hat die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) den Märkten Auftrieb gegeben. Schwellenländer sind entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette zentral positioniert – von Industriemetallen bis hin zu Fertigungs- und Lieferketten. Von den enorm gestiegenen Investitionen in den Kapazitätsausbau im Zusammenhang mit KI profitierte vor allem der Halbleitersektor. Daneben hat zum Beispiel China als Reaktion auf Handelsbeschränkungen ein eigenes KI-Ökosystem aufgebaut und sich damit unabhängiger vom Westen gemacht. Chinesische Sprachmodelle sind im Gegensatz zu den meisten US-Pendants sogenannte Open Source-Modelle, das heißt die Modellgewichte und Trainingsmethoden sind öffentlich zugänglich. Dies hat dazu geführt, dass sie mittlerweile höhere Download-Zahlen verzeichnen als die US-Modelle. Und da es in China viele technikbegeisterte Konsument:innen gibt, dürfte sich die KI-Adaption im Land weiter beschleunigen. Politische Unterstützungsmaßnahmen helfen dabei ebenfalls. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Chips, Halbleitern, KI-Servern und Infrastruktur für Rechenzentren dürfte die Umsätze und Gewinne der Unternehmen weiter stützen.
Da die US-Regierung mit ihrer erratischen Handels- und Außenpolitik viele Partner vor den Kopf gestoßen hat, hat sich unter den Marktteilnehmer:innen Skepsis gegenüber US-Investitionen breit gemacht. Mittlerweile hat sich ein globaler Diversifikationstrend ausgebildet, der allerdings noch nicht stark ausgeprägt ist. Dennoch ziehen sich einige Anleger:innen aus US- und US-Dollar-Vermögenswerten zurück und suchen nach Alternativen. Diese finden sie unter anderem in Schwellenländern. Sollte der Trend stärker werden, dürften die Zuflüsse in die Schwellenländer anhalten oder sogar noch zunehmen. 2025 haben Anleihen- und Aktien-ETPs aus Schwellenländern bereits Rekordzuflüsse von über 250 Milliarden US-Dollar verzeichnet.
Die durch die US-Regierung ausgelöste Abwertung des US-Dollars hat den Währungen aus den Schwellenländern Rückenwind gegeben, so dass diese im letzten Jahr gegenüber dem US-Dollar teilweise deutlich aufgewertet haben. Neben osteuropäischen Währungen sind hier die Währungen aus latein-amerikanischen Ländern wie Mexiko und Brasilien zu nennen. Der Mexikanische Peso stieg gegenüber dem US-Dollar 2025 um knapp 16 %, der Brasilianische Real um fast 13 %. Viele Marktteilnehmer:innen gehen heuer von einer weiteren Dollar-Abwertung aus, die allerdings nicht mehr so stark ausfallen soll. Dennoch sollten davon die Schwellenländerwährungen weiter profitieren.
Neben den Kapitalmärkten zeigte sich im letzten Jahr auch die Wirtschaft vieler Schwellenländer widerstandsfähig, so dass ansehnliche Wachstumsraten erzielt wurden. Zum Beispiel ist die chinesische Wirtschaft wie von der Regierung vorgegeben um 5 % gewachsen, die indische dürfte um über 7 % zugelegt haben und die taiwanesische ist sogar um fast 9 % expandiert. Für Brasilien und Mexiko dürften demnächst Wachstumsraten zwischen 1,5 % und 2 % veröffentlicht werden. In einigen Ländern wird die Konjunktur dabei durch fiskalpolitische Maßnahmen unterstützt. So soll in China der Konsum durch direkte Subventionen angekurbelt werden. In Indien wurden Steuersenkungen umgesetzt, zudem gab es zuletzt ein Handelsabkommen mit der EU, und mit den USA hat man sich in strittigen Handelsfragen geeinigt. In Indien wirkt daneben die Demografie unterstützend, wo eine junge Bevölkerung im Vergleich zu alternden Volkswirtschaften einen strukturellen Wachstumsvorteil bietet.
Neben einem vielerorts wachstumsorientierten Kurs der Regierungen gibt auch die Geldpolitik der Zentralbanken Rückenwind. Vor allem in Asien dürften einige Zentralbanken ihre Geldpolitik expansiver gestalten. Denn zum einen drohen die US-Zölle und nachlassende Exporte das Wachstum zu dämpfen. Zum anderen scheint die Inflation in den meisten Ländern dank niedriger Energiepreise moderat zu bleiben. Dies gibt den Zentralbanken zumindest Spielraum für geldpolitische Lockerungen, die zu einem Liquiditätszufluss führen könnten. Die Schwellenländer profitieren daneben von den bereits erfolgten und noch erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank Fed, da dadurch die Zinsdifferenzen schrumpfen.
Ein weiterer Aspekt, der den Schwellenländern Rückenwind gegeben hat und weiter unterstützend wirken dürfte, sind Rohstoffe. Denn vor allem Industrie- und Edelmetalle (zum Beispiel Kupfer, Silber) stammen zu einem erheblichen Teil aus Schwellenländern, vor allem aus Latein-Amerika. Daneben ist die Region auch ein wichtiger Produzent von Agrarrohstoffen. Sollten Angebotsengpässe, die es zum Teil jetzt schon gibt, zu weiter steigenden Rohstoffpreisen führen, dürfte Latein-Amerika davon profitieren. Die hohe Nachfrage nach Metallen für die KI-Technologie trägt ebenfalls dazu bei.
In vielen Schwellenländern ist ein Reformwille zu beobachten, der auch die Kapitalmärkte betrifft, was von den Anleger:innen positiv aufgenommen wurde. Der Fokus liegt dabei auf einer verbesserten Kapitaleffizienz und einer Steigerung der Aktionärsrendite, unter anderem über höhere Dividendenausschüttungen. Südkorea hat beispielsweise nach japanischem Vorbild ein „Corporate Value-Up“-Programm gestartet, das zu einer besseren Unternehmensführung, höherer Kapitaleffizienz und aktionärsfreundlichen Maßnahmen führen soll. Dadurch sollen höhere Bewertungen der Unternehmen erreicht werden. Das aktuelle Bewertungsniveau vieler Aktien aus den Schwellenländern scheint im historischen Vergleich und auch relativ zu Aktien aus den Industrienationen weiterhin attraktiv – trotz der Kursanstiege im vergangenen Jahr. Vor allem gegenüber US-Aktien sind Schwellenländeraktien weiterhin deutlich unterbewertet. Zudem sind auch die Unsicherheiten in vielen entwickelten Märkten hoch.
Gegenwind ist nicht auszuschließen
Bei all den genannten positiven Faktoren, die den Aktien und Anleihen aus Schwellenländern weiteren Rückenwind geben könnten, gibt es allerdings auch einige Risiken, die zu beachten sind. So sind die geopolitischen Spannungen weiterhin groß. Auch wenn es aktuell zwar nicht danach aussieht, könnte der Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder an Schärfe gewinnen und die Schwellenländer könnten zunehmend unter Druck geraten, sich für eine der beiden Großmächte zu entscheiden. Daneben könnten sich die US-Zölle zukünftig stärker negativ auf die Gewinne der Unternehmen durchschlagen. Denn obwohl die Zölle von ihrem ursprünglichen Niveau reduziert wurden und Ausnahmen bestehen, sind sie doch deutlich höher als vor der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump. Einige Unternehmen könnten sich daher großen Herausforderungen gegenübersehen. Darüber hinaus ist unklar, ob der enorme KI-Investitionsboom auf tragfähigen Geschäftsmodellen basiert. Sollte dies entgegen der allgemeinen Meinung nicht der Fall sein und sich der Boom sogar als Blase entpuppen, könnte dies die globale Konjunktur empfindlich treffen und zu einer starken Korrektur an den Aktienmärkten führen. Wegen der vielen Technologie-Unternehmen wären davon auch die (asiatischen) Schwellenländer betroffen. Weitere Risiken sind grundsätzlich politische Ereignisse – zum Beispiel Wahlen – und potenzielle Währungsschwankungen.
Auf den Punkt gebracht
Schwellenländeraktien und -anleihen haben im vergangenen Jahr Rekordzuflüsse verzeichnet. Diese könnten auch heuer anhalten, denn Schwellenländer profitieren stark von Megatrends wie KI, die die klassischen makroökonomischen Einflussfaktoren teilweise überlagern. Zudem wirkt sich die Neuordnung globaler Lieferketten positiv aus. Das Wirtschaftswachstum zeigt sich in den meisten Schwellenländern robust und die Geldpolitik der Zentralbanken könnte zusätzlich unterstützen. Eine weitere Abwertung des US-Dollars wäre ebenfalls positiv zu sehen. Die vorhandenen Risiken sind aktuell in den Hintergrund gerückt, sollten jedoch nicht aus den Augen gelassen werden.
Im Spängler Asset Management haben wir Schwellenländeraktien in Form von ETFs beigemischt. Dabei investieren wir sowohl in den breiten Emerging Markets Index als auch speziell in Latein-Amerika. Daneben sind Schwellenländeranleihen Teil unserer Allokation (ebenfalls als ETF). Da wir auf der Anleiheseite kein Währungsrisiko eingehen, haben wir die Schwellenländeranleihen in Euro währungsgesichert, so dass wir auch die Dollar-Verluste abfedern konnten.
Wichtige Hinweise
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Marketingmitteilung
Stand 18.02.2026
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