Das neue Jahr ist bislang nur wenige Wochen alt und schon herrscht an den Kapitalmärkten wieder helle Aufregung. US-Präsident Trump drohte mit neuen Zöllen gegen verschiedene Länder, der Dollar wertete ab und Edelmetalle waren zunächst stark nachgefragt. Die Aktienmärkte zeigten sich davon nur kurz beeindruckt und markierten teilweise neue Rekordhochs, auch dank guter Unternehmenszahlen.

Ein nachrichtenbestimmendes Thema im Jänner war Grönland.

Konjunktur

Drohender Handelsstreit zwischen den USA und Europa

US-Präsident Trump hatte einer Reihe von europäischen Ländern mit zusätzlichen Zöllen gedroht, sollten die USA Grönland nicht kaufen dürfen. Damit hat Trump erneut Zölle gegen langjährige Verbündete und Handelspartner eingesetzt, um fragwürdige außenpolitische Vorhaben durchzusetzen. Das Motiv dahinter ist unklar. Möglicherweise möchte Trump von innenpolitischen Problemen ablenken, wobei seine Umfragewerte zuletzt immer schlechter wurden und eine Übernahme Grönlands auch in der eigenen Bevölkerung kritisch gesehen wird. In Reaktion auf die angedrohten Zölle hat die EU umfangreiche Gegenmaßnahmen erwogen und die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den USA vom letzten Sommer vorübergehend ausgesetzt. Die Wogen haben sich mittlerweile zwar wieder etwas geglättet, da NATO-Generalsekretär Rutte während des Weltwirtschaftsforums in Davos ein Rahmenabkommen mit Trump über Grönland vereinbart hat, so dass ein erneuter Handelsstreit zumindest vorerst abgewendet wurde. Aber Trump stößt seine Partner immer wieder vor den Kopf. Zukünftige Konflikte sind also nicht ausgeschlossen.

Zwar stand beim Weltwirtschaftsforum die Politik im Vordergrund, es wurde aber auch über die Konjunktur diskutiert. Der Internationale Währungsfonds IWF hat hierzu neue Prognosen veröffentlicht. 

Optimistischere Konjunkturprognosen

Was sind die wesentlichen Erkenntnisse des Jänner-Updates? Der IWF hat die Prognose für das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr leicht auf 3,3 % angehoben. Gegenwind sehen die IWF-Experten vor allem von den sich verändernden Handelspraktiken. Unterstützt wird die Wirtschaft durch zunehmende Investitionen in Technologie, vor allem Künstliche Intelligenz. Rückenwind gibt die Fiskal- und Geldpolitik vieler Regierungen bzw. Zentralbanken sowie vorteilhafte Finanzierungskonditionen. Das Wirtschaftswachstum ist allerdings ungleich verteilt. So hat der IWF die Konjunkturprognose für die USA kräftiger auf 2,4 % nach oben revidiert. Die US-Wirtschaft wird von der Fiskalpolitik und niedrigeren Zinsen unterstützt, während der Einfluss der Zölle abnimmt. Die Wirtschaft in der Eurozone soll heuer unverändert um 1,3 % wachsen, wozu die geplanten Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur beitragen. In Japan helfen ebenfalls die von der neuen Regierung angekündigten Fiskalmaßnahmen und auch in China spielen staatliche Unterstützungsmaßnahmen eine wichtige Rolle. Die chinesische Wirtschaft profitiert auch vom Zollfrieden mit den USA, so dass der IWF seine Prognose auf 4,5 % nach oben angepasst hat. 

Der Markt ist sich auffallend uneinig, wie sich die Wirtschaft in den einzelnen Regionen bzw. Ländern heuer entwickelt. Die Bandbreite der Prognosen ist groß, es gibt sehr optimistische Erwartungen, aber auch recht pessimistische.

Die Inflation soll laut den IWF-Prognosen weiter an Dynamik verlieren. In der Eurozone lag sie zuletzt unter dem EZB-Ziel von 2 %, in den USA stimmt immerhin die Richtung. 

Welche Veränderungen gibt es in der Geldpolitik der EZB und Fed?

Zinsen & Inflation

US-Notenbank Fed im Fokus

Die EZB sieht sich mit ihrer aktuellen Geldpolitik auf gutem Kurs und die Marktteilnehmer:innen erwarten heuer von der EZB keine Zinsveränderungen. Spannender ist es dagegen in den USA. Dort ist die Fed großem Druck ausgesetzt – vor allem politischem. US-Präsident Trump fordert seit langem deutlich niedrigere Zinsen von der Fed, damit seine geplanten Staatsausgaben finanzierbar bleiben. Trump versucht dabei auf vielen Wegen, die Fed zu beeinflussen. Seit vielen Monaten attackiert er immer wieder den Vorsitzenden Powell und beleidigt ihn auch persönlich. Unter einem Vorwand ermittelt jetzt das Justizministerium gegen Powell, wogegen sich dieser allerdings öffentlich wehrt. Im Mai endet die Amtszeit Powells als Fed-Chef. Mit der Ernennung von Kevin Warsh, eines ihm wohlgesonnenen Nachfolgers, will Trump seinen Einfluss auf die Fed ausweiten. Dazu hat er auch schon Gouverneur Miran ins FOMC berufen, der seitdem stets für deutliche Zinssenkungen gestimmt hat. Vor dem Supreme Court findet derzeit die Anhörung im Fall der Fed-Gouverneurin Cook statt, die Trump wegen angeblicher persönlicher Verfehlungen loswerden will. Eine Entscheidung dürfte im Frühjahr fallen. Angesichts dieser zahlreichen Attacken auf die Fed sind die Marktteilnehmer:innen besorgt, dass die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit verlieren könnte. Aus makroökonomischer Sicht besteht für die Fed keine Notwendigkeit, die Zinsen stärker zu senken. Denn die US-Wirtschaft zeigt sich bislang noch robust und die Inflation ist trotz rückläufiger Tendenz noch zu hoch. Die Marktteilnehmer:innen erwarten daher heuer nur zwei Zinssenkungen von der Fed.

Was hat sich zuletzt an den Kapitalmärkten getan?

Märkte

Starker Renditeanstieg in Japan

An den Anleihe-, Aktien- und Rohstoffmärkten war in den letzten Wochen eine erhöhte Volatilität zu beobachten. An den Anleihemärkten sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen gestiegen. Besonders ausgeprägt war der Anstieg in Japan, wo die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 27 Jahren und die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen sogar auf ein Rekordhoch geklettert ist. Dies hängt mit Sorgen der Marktteilnehmer:innen über ausufernde Schulden zusammen, nachdem die neue Regierung umfangreiche Fiskalmaßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft angekündigt hatte. Auch wird erwartet, dass die Bank of Japan die Zinsen weiter erhöht.

Der Renditeanstieg in Japan ist ansatzweise auf die USA übergeschwappt. Dort führen auch die Ausgabenpläne der US-Regierung zu steigenden Renditen. Zudem verlieren einige Marktteilnehmer:innen wegen der unberechenbaren Handels- und Außenpolitik der Regierung das Vertrauen in die USA und trennen sich von US-Staatsanleihen. In manchen Medien wird in diesem Zusammenhang von „sell America“ gesprochen, wobei sich diesbezüglich noch kein allgemeiner Trend abzeichnet. An den europäischen Anleihemärkten hielten sich die Renditeanstiege dagegen zuletzt in Grenzen. Die steigenden Staatsverschuldungen könnten aber auch hier zukünftig zu nachhaltig höheren Renditen führen.

Wie sind Aktien in das neue Jahr gestartet?

US-Präsident Trump ein Jahr im Amt

Wie schon im letzten Jahr haben sich auch heuer im Jänner europäische Aktien besser entwickelt als US-Werte. Noch besser lief es für die Emerging Markets und Japan. US-Aktien legten zwar leicht zu, ihre Performance wurde aber durch den erneut schwachen US-Dollar fast vollständig aufgezehrt. Eine positive Ausnahme sind allerdings die Nebenwerte.

Am 20. Jänner war US-Präsident Trump ein Jahr in seiner zweiten Amtszeit im Oval Office. Die Entwicklung des breiten US-Marktes jetzt, ähnelt sehr der vor acht Jahren. Der Performance-Unterschied beträgt nur wenige Prozentpunkte. Die blaue Linie steht dabei für seine erste Amtszeit, die rote Linie für seine zweite. Während Trump den Zollstreit mit China erst im Laufe seiner ersten Amtsperiode vom Zaun gebrochen hat und die Aktienmärkte entsprechend negativ reagierten, hat er diesmal schnell losgelegt. Den vorläufigen Höhepunkt bildete der sogenannte Liberation Day im April letzten Jahres. Denn diesmal war Trump auf seine Präsidentschaft besser vorbereitet als vor acht Jahren. Wie wir wissen, gab es im letzten Jahr auf den Rücksetzer eine schnelle Erholung und die Aktienmärkte haben im Jänner neue Rekordhochs erreicht. 

Übrigens: Auch die Entwicklung des Dollars ähnelt sich sehr. Damals wie heute hat die US-Währung unter Trump deutlich abgewertet. Mit seinen jüngsten Zolldrohungen hat Trump dafür gesorgt, dass die Gold- und Silber-Rally weiterging. 

Welche Marken wurden hier überwunden?

Rekordrally und Einbruch bei Gold und Silber

Gold und Silber schienen lange Zeit nicht zu stoppen und eilten von Rekord zu Rekord. Im Jänner überwand Gold erstmals die Marke von 5.000 USD und Silber sprang über die 100 USD-Schwelle. Anders als von einigen Marktteilnehmer:innen erwartet, gab es im Anschluss daran keine Atempause, sondern der Höhenflug setzte sich fort. In den letzten Wochen wurden fast täglich neue Rekordstände erreicht. 

Die Gründe sind vielfältig: Unsicherheit über US-Zölle, geopolitische Spannungen, Sorgen davor, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert, Zentralbanken diversifizieren ihre Währungsreserven weg vom Dollar und ein allgemein starkes Kaufinteresse von institutionellen Investor:innen wie auch Privatanleger:innen. Bei Silber kommt hinzu, dass der Markt knapp ist, das heißt, das Angebot bleibt hinter der Nachfrage zurück. Relativ betrachtet hat Silber in den letzten Monaten gegenüber Gold stark aufgeholt. Es ist im Vergleich zu Gold mittlerweile nicht mehr unterbewertet. Übrigens ist vor kurzem ein weiterer Aspekt hinzugekommen, der die Edelmetalle nach oben getrieben hat: Offenbar schwindet bei einigen Marktteilnehmer:innen das Vertrauen in Papiergeldwährungen, was sich zuletzt in der deutlichen Abwertung des US-Dollars widergespiegelt hat. Erstmals seit Juni 2021 war der EUR/USD-Wechselkurs über die Marke von 1,20 gestiegen. Ende Jänner und Anfang Februar gab es dann eine schon lange überfällige Korrektur, im Zuge derer Gold und Silber zweistellige Verluste hinnehmen mussten. Diese Bewegung hat medial große Aufmerksamkeit bekommen. Viele Spekulant:innen, die zuvor auf steigende Preise setzten, haben sich aus dem Markt zurückgezogen und Gewinne mitgenommen, wodurch technische Folgereaktionen ausgelöst wurden. Seit Jahresbeginn liegen beide Edelmetalle trotz der Korrektur noch deutlich im Plus. Und man darf nicht vergessen, dass Gold im letzten Jahr um 65 % und Silber um 150 % gestiegen ist. Im Spängler Asset Management beobachten wir die Situation zwar genau, waren vorher aber nicht euphorisch und sind jetzt auch nicht panisch.

Welche Themen werden uns in den kommenden Monaten begleiten?

Fazit

Welche Themen werden uns in den kommenden Monaten begleiten?

Unser Basisszenario ist weiterhin gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa unter Kontrolle bleibt, es weitere Zinssenkungen in den USA gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer wieder steigenden Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, der Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert und den aktuell hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, eine mögliche Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.

Wichtige Hinweise

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Stand 04.02.2026. Alle Rechte vorbehalten.

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