An den Kapitalmärkten blickt man nach dem Angriff der USA und Israel auf den Iran aktuell mit Sorge in den Nahen Osten. Die Gefahr einer Eskalation und eines sich länger hinziehenden Krieges ist groß. Entsprechend hoch ist gerade die Nervosität an den Märkten. Neben der Geopolitik gibt es aber noch andere Themen, die die Märkte beeinflussen. So deuten die Stimmungsindikatoren darauf hin, dass sich die Wirtschaft in der Eurozone und den USA gut entwickelt. Daneben geht die Inflation in die richtige Richtung. Nicht nur deshalb sind viele Aktienmärkte gut in das neue Jahr gestartet, wobei US-Aktien in den letzten Monaten abgehängt wurden. KI-Sorgen drückten in den USA auf die Stimmung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie ist derzeit die Stimmung in den Unternehmen?
Konjunktur
Die Stimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut
In der Eurozone hat sich die Stimmung zuletzt wieder verbessert. Der hier dargestellte kombinierte Einkaufsmanagerindex für die Industrie und den Dienstleistungssektor ist auf ein Niveau gestiegen, bei dem die Wirtschaft in der Vergangenheit zumeist moderat gewachsen ist.
Vor allem in den Industrie-Unternehmen ist man optimistischer geworden. Dabei hat sich insbesondere in deutschen Unternehmen die Stimmung verbessert, da die angekündigten Staatsausgaben in unserem Nachbarland offenbar zunehmend die Industrie stützen. In den USA hat sich die Stimmung zwar wieder etwas eingetrübt, sie kann aber weiterhin als gut bezeichnet werden. Im Gegensatz zur Eurozone sind sowohl die Industrie- als auch die Dienstleistungsunternehmen pessimistischer geworden. Vor allem die Beschäftigung und die Aufträge werden schwächer gesehen. Der Einkaufsmanagerindex in den USA bewegt sich aber noch komfortabel im expansiven Bereich und deutet weiterhin auf ein solides Wirtschaftswachstum hin.
Im Februar wurden mit etwas Verzögerung die BIP-Zahlen für das vierte Quartal in den USA veröffentlicht – mit auf den ersten Blick überraschenden Ergebnissen.
US-Wirtschaft zuletzt mit deutlichen Bremsspuren
Nach dem kräftigen Wachstum im zweiten und dritten Quartal haben sich in der US-Wirtschaft im Schlussquartal 2025 deutliche Bremsspuren gezeigt. Das Bruttoinlandsprodukt ist mit +1,4 % gegenüber Vorjahr nur halb so stark gestiegen wie von den Marktteilnehmern erwartet.
Die auf den ersten Blick schwache Zahl lässt sich aber mit einem Sondereffekt, der Schließung von Bundesbehörden, erklären. Der sogenannte government shutdown, der bislang längste in der US-Geschichte, hat die Wachstumsrate um fast einen Prozentpunkt gedrückt, da der Staat in dieser Zeit weniger Geld ausgegeben hat. Dieser Sondereinfluss sollte sich im ersten Quartal aufgrund von Nachholeffekten aber umkehren. Der private Konsum zeigte sich im vierten Quartal weiterhin stark und auch die Unternehmen investierten deutlich mehr. So legten die Ausgaben für IT und Software um fast 20 % zu, worin sich der KI-Boom widerspiegelte. Auf den zweiten Blick stellt sich die wirtschaftliche Lage in den USA also besser dar.
Wie hat sich die Inflation in den letzten Monaten entwickelt?
Zinsen & Inflation
Die Inflation hat spürbar an Dynamik verloren
Um es vorwegzunehmen: Die Inflation hat spürbar an Dynamik verloren. In der Eurozone hat sich die Teuerungsrate schon vor längerer Zeit dem 2 %-Ziel der EZB angenähert und ist im Jänner sogar deutlich darunter gefallen.
Dies ist einerseits auf einen Basiseffekt bei den Energiepreisen zurückzuführen, andererseits hat der Preisdruck bei Dienstleistungen abgenommen. Zudem sind die Importpreise wegen des starken Euros gefallen. Nahrungs- und Genussmittel haben sich dagegen wieder etwas stärker verteuert. Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Inflation in der Eurozone im Jahresverlauf unterhalb der 2 %-Marke einpendeln wird. In den USA zeigt der Trend zuletzt ebenfalls in die richtige Richtung, die Inflation bewegt sich auf das Fed-Ziel von 2 % zu. Die Zölle wirken sich weiterhin nur moderat auf die Preise aus und bei den Mieten hat sich der Anstieg deutlich verlangsamt. Die niedrigeren Inflationsraten geben der EZB und der Fed theoretisch Spielraum für weitere Zinssenkungen. EZB-Präsidentin Lagarde hat aber mehrfach betont, dass die EZB-Geldpolitik aktuell gut aufgestellt ist und keine weiteren Zinssenkungen geplant sind. Auch für die Fed besteht keine unmittelbare Notwendigkeit, die Zinsen schnell weiter zu reduzieren. Der politische Druck auf sie ist aber immens. Nach dem Wechsel an der Fed-Spitze im Mai wird sich zeigen, wie stark die Fed schon politisiert ist.
Schauen wir nun auf die Kapitalmärkte, wo Aktien zumeist einen guten Start in das Jahr hingelegt haben.
Märkte
US-Aktien wurden abgehängt
Die meisten Aktienmärkte konnten zu Jahresbeginn an ihre gute Performance aus dem letzten Jahr anknüpfen und sind weiter gestiegen. In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden einige neue Rekordhochs erreicht. Regional betrachtet haben sich Europa, Japan und die Emerging Markets besonders gut entwickelt.
Sie profitieren unter anderem davon, dass einige Anleger wegen der unberechenbaren Zoll- und Außenpolitik der US-Regierung Geld aus den USA abziehen und nach Alternativen in anderen Regionen suchen. Zudem sind viele europäische, japanische und Schwellenländer-Aktien gegenüber US-Aktien weiterhin unterbewertet, trotz der bereits erfolgten Kursanstiege. Schwellenländer profitieren daneben von der Euphorie rund um Künstliche Intelligenz, da sie entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette positioniert sind. Auch sind in Asien viele Technologie-Unternehmen beheimatet. Darüber hinaus hat der schwache US-Dollar den Währungen aus Schwellenländern Rückenwind gegeben, was wiederum Euro-Investoren zugute kommt. Der schwache Dollar ist übrigens auch ein wesentlicher Grund, warum US-Aktien aus Sicht eines Euro-Investors eine so große Lücke zu den anderen hier dargestellten Indizes aufweisen.
Ein bestimmendes Thema an den Aktienmärkten, vor allem in den USA, ist Künstliche Intelligenz.
KI: Fluch und Segen
An den Märkten wird KI als Fluch und Segen zugleich angesehen. Auf der einen Seite entstehen durch KI neue Geschäftsbereiche bzw. Unternehmen und es wird erwartet, dass KI zu Produktivitätssteigerungen führt. Auch gilt der technologische Fortschritt als ein zukünftiger Wachstumstreiber. Auf der anderen Seite werden durch KI altbewährte Geschäftsmodelle in Frage gestellt und es dürften Arbeitsplätze verloren gehen. Auch sind große Investitionen erforderlich, so dass die beteiligten Unternehmen sich hoch verschulden. Daneben hat KI einen sehr hohen Energiebedarf und die dazu benötigte Infrastruktur muss noch gebaut werden. Während anfangs noch Euphorie rund um dieses Thema herrschte und an den Märkten viele Vorschusslorbeeren verteilt wurden, hat sich mittlerweile Vorsicht breit gemacht, zumal viele Technologie-Unternehmen hoch bewertet sind. Einige Marktteilnehmer haben Bedenken, dass die enormen Investitionen, die mit KI einhergehen, auf tragfähigen Geschäftsmodellen basieren. Sollte dies entgegen der allgemeinen Meinung nicht der Fall sein und sich der Boom sogar als Blase entpuppen, könnte dies nicht nur die globale Konjunktur empfindlich treffen, sondern auch zu einer starken Korrektur an den Aktienmärkten führen.
Ein weiteres Thema, das die Märkte gerade bewegt, sind geopolitische Risiken. Vor allem der sich anbahnende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis deutlich steigen lassen.
Der Ölpreis steigt wegen geopolitischer Risiken.
Der Markt hatte schon in den letzten Wochen begonnen, das Risiko einer Eskalation im USA-Iran-Konflikt und die damit verbundenen Risiken für das Ölangebot einzupreisen. Nachdem die USA nun gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen haben, ist der Brent-Ölpreis in einer ersten Reaktion auf über 82 USD je Barrel gestiegen, hat anschließend aber wieder etwas nachgegeben. Seit Jahresbeginn ist Brent jetzt um über 30 % gestiegen.
Angebotsausfälle aus dem Iran können von anderen Ländern, insbesondere den Golf-Staaten, kompensiert werden. Zudem ist der globale Ölmarkt aktuell gut versorgt, so dass es einen gewissen Puffer bei Produktionsausfällen gibt. Das eigentliche Risiko besteht aber darin, dass der Iran versuchen könnte, die Straße von Hormus länger zu blockieren. Durch diesen für die Schifffahrt wichtigen Seeweg wird täglich rund ein Viertel der weltweiten verschifften Öllieferungen transportiert. Und diese Menge könnte eben nicht ausgeglichen werden. Das Ölangebot würde also deutlich sinken und die Lagerbestände zurückgehen. Sollte sich der Konflikt länger hinziehen, wird der Ölpreis noch weiter steigen, was Auswirkungen auf die globale Konjunktur sowie Aktien- und Anleihemärkte wie auch auf Gold haben könnte.
Fazit
Welche Themen werden uns in den kommenden Monaten begleiten?
Unser Basisszenario ist weiterhin gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa unter Kontrolle bleibt, es weitere Zinssenkungen in den USA gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer wieder steigenden Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, der Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert und den aktuell hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, eine mögliche Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.
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Stand 03.03.2026. Alle Rechte vorbehalten.
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