Kapitalmarktausblick 
3. Quartal 2019

Die Weltwirtschaft hat in den vergangenen Monaten an Fahrt verloren. Politische Risiken – allen voran der Handelskonflikt zwischen den USA und China – lasten auf dem globalen Handel und der Industrieproduktion. Nicht umsonst haben die großen Notenbanken – unter der Führung der US-Notenbank (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) – ihren geldpolitischen Kurs um 180 Grad gedreht. Anstatt Zinserhöhungen stehen sowohl in den USA als auch in der Eurozone erneute Zinssenkungen vor der Tür. Die Kapitalmärkte honorierten diese Schritte in Form von Aktienkursanstiegen und Renditerückgängen bei Anleihen.

Erwartetes Wirtschaftswachstum

 201920202021
Welt 3,3 % 3,3 % 3,1 %
EU 1,5 % 1,5 % 1,5 %
USA 2,5 % 1,8 % 1,8 %
Japan 0,7 % 0,4 % 0,9 %
China 6,2 % 6,0 % 5,8 %


Tabelle 1: Daten in % des BIP; Quelle: Bloomberg-Consensus-Schätzungen. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung.

Abschwächung der globalen Wachstumsdynamik

Die Handelsstreitigkeiten lasten auf der für Europa wichtigen Exportentwicklung. Zusätzlich sorgt die ungeklärte Brexit-Frage für anhaltende Unsicherheiten. Dieses Umfeld schlägt sich auf volkswirtschaftliche Kennzahlen wie beispielsweise der Industrieproduktion nieder. Als Wachstumsstützen erweisen sich Konsum und Investitionen. Das anhaltend niedrige Zinsniveau wird diese beiden BIP-Komponenten auch im zweiten Halbjahr begünstigen.

KMA Q3 2019 Grafik1

Grafik 1: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: Bloomberg

 

Auch in den USA erreicht die globale Wachstumsabkühlung die Industrie. Der Stimmungsindikator für das verarbeitende Gewerbe (ISM Manufacturing PMI/Einkaufsmanagerindex für verarbeitendes Gewerbe *) hat sich in den letzten Monaten kontinuierlich abgekühlt (Grafik 1). Wie in Europa gilt auch hier der Zollkonflikt als Hauptgrund für die Stimmungseintrübung. Die BIP-Entwicklung wird in diesem Jahr nicht an das Vorjahr anschließen können, wobei diese im vergangenen Jahr zusätzlich durch die umfassenden Steuererleichterungen nach oben verzerrt wurde. Bereits verfügbare Daten lassen ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent erwarten.

In China reflektiert der Außenhandel die hohe Verunsicherung (Grafik 2). Sinkende chinesische Exporte belasten das chinesische BIP-Wachstum, stagnierende bzw. sinkende Importe tangieren das BIP-Wachstum vieler nach China exportierender Länder negativ. Die chinesische Regierung setzt alles daran der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. So wurden Restriktionen für Staatsunternehmen wieder gelockert, was sich in einer steigenden Investitionstätigkeit niederschlägt. Zusätzlich sorgt der Staat für höhere Infrastrukturausgaben sowie Steuererleichterungen. Die People's Bank of China (PBoC) setzt expansive geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen.

 

KMA Q3 2019 Grafik2

Grafik 2: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: Bloomberg 

Konjunktureintrübung voraus - Notenbanken springen in die Bresche

In der Sitzung Anfang Juni stellte die Europäischen Zentralbank klar, dass die Leitzinssätze bis mindestens weit in das nächste Jahr hinein und „in jedem Fall so lange wie erforderlich auf den aktuellen Niveaus bleiben werden, um eine fortgesetzte nachhaltige Annäherung der Inflation an ein Niveau von unter, aber nahe 2 Prozent auf mittlere Sicht sicherzustellen”. Die von einigen bereits ins Spiel gebrachte Leitzinserhöhung in der Eurozone wurde somit für einen längeren Zeitraum ad acta gelegt.

Beim jährlichen Notenbanker-Treffen im portugiesischen Sintra am 18. Juni legte EZB-Präsident Draghi nach, indem er abermals sinkende Einlagenzinsen sowie eine Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramms in Aussicht stellte. Volkswirte rechnen in einem ersten Schritt mit einer Senkung der Einlagenzinsen von -0,40 Prozent auf -0,50 Prozent. Auch eine zusätzliche Reduktion auf -0,60 Prozent wird von manchen Marktteilnehmern bereits antizipiert. Die EZB will mit diesen Maßnahmen zusätzliche Anreize für eine verstärkte Investitionstätigkeit schaffen, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln.

Die US-Notenbank stand den Ankündigungen der EZB um nichts nach und signalisierte ebenfalls klar die Bereitschaft für Zinssenkungen, sollte die US-Wirtschaft Schwäche signalisieren. Der Markt preist mittlerweile bis zu vier Leitzinssenkungen bis Ende des nächsten Jahres ein, was einem Leitzinsniveau von 1,25 bis 1,50 Prozent entspricht.

Anleihenmärkte

Nach den Ankündigungen der Notenbanken erreichten Anleihenrenditen europäischer Staatsanleihen neue historische Tiefstände. Österreichische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren notieren erstmals im negativen Bereich. Ihre deutschen Pendants erreichten gar -0,37 Prozent. In eine ähnliche Richtung tendieren zuletzt auch Renditen der südeuropäischen Staaten Italien und Griechenland. Trotz aller politischer und wirtschaftlicher Widrigkeiten liegen die Renditen auf Mehrjahrestiefständen.

KMA Q3 2019 Grafik3

Grafik 3: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Quelle: Bloomberg 


Dass es sich hierbei nicht um ein rein europäisches Phänomen handelt zeigt Grafik 3. Die umfassende Hausse an den globalen Anleihenmärkten hat dazu geführt, dass die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen aus den wichtigsten Industrienationen * annähernd wieder das historische Tief aus dem Jahr 2016 erreicht hat. Zudem sank der durchschnittliche Langfristzins erstmals seit dem Frühjahr 2008 wieder unter den durchschnittlichen Leitzins.

IndexEntwicklung 20193 Jahre p.a.5 Jahre p.a.Ø Rendite
Bloomberg Barclays € 5-7 Jahre 3,61 % 1,21 % 2,54 % -0,01 %
Bloomberg Barclays AT 5-7 Jahre 2,59 % 0,99 % 2,14 % -0,46 %
Bloomberg Barclays US 5-7 Jahre 5,34 % 1,45 % 2,75 % 1,81 %
Bloomberg EUR High Yield Index 7,96 % 5,14 % 4,08 % 3,85 %
J.P. Morgan EMMA Bond Index 11,86 % 5,23 % 5,14 % 5,39 %


Tabelle 2: Entwicklung in Lokalwährung. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: Bloomberg (01.07.2019)

Aktienmärkte

Im ersten Halbjahr konnten die Aktienmärkte rasant zulegen. Nach einer drohenden Eskalation des Handelsstreits im Mai und folgenden Rückgängen verzeichneten Aktien einen der besten Juni-Monate seit Jahrzehnten. Maßgeblich verantwortlich für die Attraktivität von Aktien sind auch hier die Äußerungen der Notenbanken, erneut expansiv aufzutreten.

IndexEntwicklung 20193 Jahre p.a.5 Jahre p.a.
ATX 8,45 % 14,82 % 5,58 %
DAX 17,42 % 8,62 % 4,75 %
STOXX 600 14,47 % 8,93 % 5,92 %
S&P 500 18,35 % 14,21 % 10,71 %
MSCI China (in USD) 12,37 % 14,53 % 7,57 %


Tabelle 3: Entwicklung in Lokalwährung. Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: Bloomberg (01.07.2019)

 

  • Konjunktur → Konjunkturell deutet einiges auf eine Wachstumsabschwächung hin, wenngleich der fundamentale Wachstumstrend intakt ist und eine Rezession nicht unmittelbar bevorsteht.
  • Geldpolitik ↗ Die führenden Notenbanken haben umfassende geldpolitische Lockerungsmaßnahmen in Aussicht gestellt. Die Aktienmärkte werden dadurch auch in der zweiten Jahreshälfte unterstützt bleiben.
  • Gewinnentwicklung der Unternehmen → Die Rezessionssorgen und die Angst vor stark fallenden Unternehmensgewinnen zu Jahresbeginn erwiesen sich als verfrüht. Nichtsdestotrotz dürfte die nachlassende Wachstumsdynamik auch an den Gewinnerwartungen der Unternehmen nicht spurlos vorübergehen.
  • Bewertung  Nach den starken Kursanstiegen im ersten Halbjahr 2019 sind einzelne Sektoren bereits wieder hoch bewertet. US-Aktien sind teuer, europäische Titel sind moderat bewertet – vor allem im Vergleich zu Anleihen.

Fazit

Vor dem Hintergrund einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik haben die Notenbanken umfassend reagiert und geldpolitische Lockerungsmaßnahmen kommuniziert. Die Aktienmärkte haben dies mit neuen Höchstständen, die Anleihenmärkte mit rekordtiefen Renditeniveaus quittiert.

Nach der erfreulichen ersten Jahreshälfte dürfte der Markt bereits viel Positives vorweg genommen haben. Zusätzlich bleiben politische Risiken – allen voran die globalen Handelsstreitigkeiten – Zutaten für eine volatilere zweite Jahreshälfte.

Im Spängler Asset Management bleiben wir unserem Ansatz mit breit diversifizierten Portfolios und einem stringenten Risikomanagement treu. Zu viel Pessimismus im Hinblick auf die Aktienmarktentwicklung ist insbesondere mangels fehlender Alternativen aber vorerst nicht angebracht.

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* Glossar

ISM Manufacturing PMI: Dieser Indikator fängt die Stimmung der Einkaufsmanager über die aktuelle Geschäftslage ein. Ein Wert über 50 Punkte signalisiert eine wachsende Wirtschaftsaktivität. 

Rendite 10-jähriger Staatsanleihen aus den wichtigsten Industrienationen: G7 Nationen + Australien + Schweden

 

Wichtige Hinweise

Zu Grafik 1,2,3: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. 
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