An den Finanzmärkten richtet sich der Fokus aktuell auf Anleihen. Denn in den letzten Wochen sind vor allem die Renditen der Anleihen deutlich gestiegen. Dies hat verschiedene Gründe und auch Auswirkungen auf andere Anlageklassen. Sollten die Renditen weiter steigen, könnte auch die Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann wären die aktuellen Erholungstendenzen schnell wieder vorbei.
Märkte
Steigende Anleiherenditen geben Anlass zur Sorge
Anleiherenditen werden durch mehrere Faktoren beeinflusst: Zum Beispiel durch das allgemeine Marktzinsniveau, die Bonität des Schuldners oder die Laufzeit. Die Hauptrollen spielten zuletzt aber Inflationssorgen und ausufernde Staatsschulden. Heuer ist der Krieg im Nahen Osten ein starker Renditetreiber. Dieser hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, was unter den Marktteilnehmern zu neuerlichen Inflationssorgen geführt hat. Auf die anziehende Teuerungsrate hat zumindest die EZB reagiert und die Zinsen angehoben. Daneben steigt vielerorts die Staatsverschuldung. Viele Regierungen greifen der Wirtschaft mit Fiskalmaßnahmen unter die Arme. Zudem wurden die Verteidigungsausgaben in die Höhe geschraubt. Die steigenden Staatsausgaben werden in erster Linie über den Kapitalmarkt refinanziert. Viel Aufmerksamkeit erhalten üblicherweise Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu 10 Jahren. Aber auch in längeren Laufzeiten gibt es viel Bewegung.
So ist die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen in den USA im August auf 5,3 % und damit den höchsten Wert seit bald 20 Jahren gestiegen. US-Finanzminister Bessent hat daraufhin angekündigt, langlaufende Staatsanleihen aufkaufen zu wollen, um den Renditeanstieg zu bremsen. Wegen der höheren Renditen müssen Länder wie die USA neue Schulden zu einem höheren Zins aufnehmen, was die Staatskasse belastet. In Deutschland ist die 30-jährige Rendite auf ein 15-Jahreshoch von über 3,8 % gestiegen. Und auch in Japan haben sich die Renditen stark nach oben bewegt. Die Refinanzierungskosten steigen also aller Orten. Wie reagieren die Zentralbanken auf diese Entwicklung?
Zinsen & Inflation
Müssen die Zentralbanken die Zinsen erhöhen?
Die Zentralbanken haben mit ihren geldpolitischen Entscheidungen weniger Auswirkungen auf die langfristigen Zinsen, sie bewegen eher die kurzfristigen Zinsen. Ihre Hauptaufgabe ist die Preisstabilität. Daher bereiten ihnen Inflationsanstiege größere Sorgen als die steigende Staatsverschuldung.
Die EZB hat heuer auf die anziehende Teuerungsrate reagiert und die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Die Marktteilnehmer erwarten von ihr noch ein bis zwei weitere Zinserhöhungen. Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt und die Energiepreise sind weiter hoch. Die Fed hat die Zinsen bisher zwar unverändert beibehalten, aber auch von ihr wird mindestens eine Zinserhöhung erwartet, um die Inflation einzudämmen. Diese Erwartung wurde von Fed-Chef Warsh in Jackson Hole überraschend noch bestätigt. Zinserhöhungen könnten jedoch die Wirtschaft belasten. Auch lassen sie die Refinanzierungskosten der Länder steigen, was vor allem US-Präsident Trump ein Dorn im Auge ist. Trump fordert von der Fed daher schon lange niedrigere Zinsen, was aber die Unabhängigkeit der Fed untergräbt. Der Renditeanstieg wirkt sich auch auf andere Anlageklassen aus.
Märkte
US-Dollar und Gold Spielball der Marktteilnehmer:innen
Die Inflations- und Zinserwartungen der Marktteilnehmer sowie die Renditebewegungen haben sich unter anderem im Dollar und im Goldpreis niedergeschlagen.
Der US-Dollar war heuer im Zuge des Iran-Krieges phasenweise als sicherer Hafen gefragt und hat aufgewertet. In den letzten Wochen drehte aber der Wind und der Dollar hat wieder nachgegeben. Nach schwächeren US-Konjunkturdaten wurden Zinserhöhungserwartungen ausgepreist. Zudem hat die Friedensdiplomatie im Nahen Osten die Dollar-Bewegung verstärkt. Gold hat sich spiegelbildlich zum Dollar entwickelt. Auf das Rekordhoch Anfang des Jahres folgte eine monatelange Verluststrecke. Gold wurde dabei von steigenden Renditen und dem festeren Dollar belastet. Im August legte Gold dann aber wieder deutlich zu. Der schwächere US-Dollar und Sorgen über ausufernde Staatsschulden gaben ebenso Auftrieb wie die Äußerungen von Bessent, langlaufende Anleihen kaufen zu wollen. Daneben haben die ETF-Käufe wieder zugenommen und auch die Zentralbanken stocken ihre Goldbestände weiter auf.
Leichte Sektorrotation in den USA
Für gewöhnlich bremsen starke Renditeanstiege den Aktienmarkt aus, da sie die Wirtschaft belasten könnten. Heuer jedoch zeigen sich die Aktienmärkte fast überall widerstandsfähig. Sie liegen zumeist deutlich im Plus. So auch in den USA, wo der breite Markt heuer bislang zweistellig zulegen konnte. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass der S&P 500 in den letzten Monaten nicht mehr nur durch die großkapitalisierten Technologieunternehmen getragen wurde. Diese haben ein sehr hohes Gewicht im Index. Dass der gleichgewichtete S&P 500 heuer leicht über dem marktgewichteten Index liegt, bedeutet, dass der Indexanstieg mittlerweile auf einer breiteren Basis steht.
Dies ist positiv zu bewerten, da der US-Markt somit nicht mehr hochgradig abhängig von nur einem Sektor ist. Vielmehr haben auch andere Sektoren wie Energie, Rohstoffe und Industrie deutlich zulegen können. Der gleichgewichtete S&P 500 ist zudem nicht ganz so hoch bewertet wie der marktgewichtete, wenn man das Kurs-Gewinn-Verhältnis betrachtet. Unterstützt wurden die Aktienmärkte zuletzt auch wieder von der Konjunktur.
Konjunktur
Die Stimmung in den Unternehmen hat sich verbessert
Trotz des Iran-Krieges und der Schließung der Straße von Hormus ist die Weltwirtschaft offenbar recht widerstandsfähig. Die Konjunkturdaten haben zuletzt auf beiden Seiten des Atlantiks positiv überrascht. In den USA hat sich die Wirtschaft bislang ohnehin robust gezeigt. Dies wurde durch die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes nochmals bestätigt.
Zwar hat sich die Stimmung in den Industrieunternehmen etwas eingetrübt, der Index liegt aber weiter auf einem hohen Niveau. Im Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung dagegen sogar weiter deutlich aufgehellt. Die Konsumenten scheinen also in Ausgabestimmung zu sein. Dies ist umso positiver für die US-Wirtschaft, da diese stark dienstleistungsorientiert ist. Auch in der Eurozone hat sich die Stimmung in den Unternehmen verbessert. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie ist auf das höchste Niveau seit 4 Jahren gestiegen. Dazu dürften unter anderem die vermehrten Staatsausgaben beigetragen haben. Der Index für den Dienstleistungssektor stagnierte zwar, liegt aber weiter im expansiven Bereich. Insgesamt deuten die Daten auf ein moderates Wirtschaftswachstum in der Eurozone in den kommenden Monaten hin. Die bessere Stimmung in den Unternehmen steht in den USA allerdings im Widerspruch zum Arbeitsmarkt.
Der Arbeitsmarkt in den USA verliert an Dynamik
Der Arbeitsmarkt in den USA verliert an Dynamik – und das nun schon seit mehreren Jahren. Im Juli gab es überraschend einen Stellenabbau. Während die Beschäftigung im Staatssektor abgenommen hat, hat der private Sektor nur wenige neue Stellen geschaffen. Auch der Beschäftigungstrend, hier dargestellt am 3-Monats-Durchschnitt, zeigt wieder klar nach unten.
Da zugleich die Löhne deutlich langsamer gestiegen sind, deutet dies darauf hin, dass die Unternehmen weniger Arbeitskräfte nachfragen, also weniger Personen einstellen. Noch ist dies kein großes Problem, da die US-Regierung die Einwanderung beschränkt, so dass weniger Personen auf den US-Arbeitsmarkt drängen. Setzt sich der Trend der letzten Monate fort, besteht allerdings die Gefahr, dass die Arbeitslosenquote steigt und die Fed ihr Ziel der Vollbeschäftigung aus den Augen verliert. Dies spricht gegen eine Zinsanhebung der Fed, auch wenn die Inflation in den USA erhöht bleibt. Welche Themen werden uns daneben in den kommenden Monaten begleiten?
Fazit
Welche Themen werden uns nun in den kommenden Monaten begleiten?
Unser Basisszenario ist weiter gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa nur kurzzeitig erhöht ist, es weitere Zinserhöhungen gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer länger erhöhten Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, dass die Fed unberechenbarer agiert und den aktuell hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, ein echtes Ende des Iran-Krieges und eine Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.
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Stand 03.09.2026. Alle Rechte vorbehalten.
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