Im laufenden Jahr sind die Energiepreise ein bestimmendes Thema. Sie haben nicht nur weitreichende Auswirkungen auf die Konjunktur, Inflation und Zentralbanken, sondern auch auf die Finanzmärkte. Ein Ergebnis hoher Energiepreise sind steigende Anleiherenditen. Aktien konnten diesem Gegenwind noch widerstehen. Sie zeigten sich in den letzten Monaten generell krisenresistent und profitierten von erneut guten Unternehmenszahlen. Wie genau haben sich die Energiepreise heuer entwickelt?

Aktuell

Hohe Energiepreise haben weitreichende Auswirkungen

Die Energiepreise sind heuer Achterbahn gefahren. Nach Kriegsausbruch im Nahen Osten war der Brent-Ölpreis auf 120 USD je Barrel nach oben gesprungen. Als ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran verkündet wurde, ist er wieder auf sein Vorkriegsniveau zurückgefallen. Da der Waffenstillstand jedoch nicht hielt, setzte Öl im Juli zu einem neuerlichen Höhenflug an. Noch deutlich ausgeprägter war die Bewegung beim Gasölpreis. Gasöl wird aus Rohöl gewonnen und ist ein Vorprodukt von Benzin, Diesel und Kerosin. Per Ende Juli hat sich der Gasölpreis heuer mehr als verdoppelt. Dies merken wir schmerzlich an den Tankstellen. Dass Gasöl mehr als doppelt so stark gestiegen ist wie Öl, liegt an mehreren Gründen: So ist mit der Schließung der Straße von Hormus ein wichtiger Transportweg von Ölprodukten blockiert. Zudem gibt es nicht genügend Raffineriekapazitäten, um Öl zu Benzin oder Diesel zu verarbeiten. Und auch die Ukraine trägt mit ihren Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur zu den Preissteigerungen bei uns bei. Denn es konkurrieren mehr und mehr Abnehmer um die noch verfügbaren Ölprodukte.

Die Ölpreisschwankungen haben direkten Einfluss auf die Inflationserwartungen.

Hohe Energiepreise haben weitreichende Auswirkungen

Zinsen & Inflation

Kurzfristige Inflationserwartungen in der Eurozone zuletzt wieder gestiegen

Im Zuge des Iran-Krieges ist in der Eurozone und in den USA die Inflation spürbar gestiegen. Auch die Inflationserwartungen haben stark angezogen, hier die erwarteten Teuerungsraten in einem Jahr.

Kurzfristige Inflationserwartungen in der Eurozone im Juli wieder gestiegen

In der Eurozone war der Anstieg dabei ausgeprägter als in den USA, da Europa stärker von den hohen Energiepreisen betroffen ist. Mit dem Rückgang des Ölpreises hatten vorübergehend die Inflationssorgen der Marktteilnehmer:innen wieder nachgelassen. Da der Ölpreis im Juli im Zuge neuerlicher Kampfhandlungen im Nahen Osten wieder gestiegen ist, sind auch die Inflationserwartungen in der Eurozone wieder gestiegen. Der Anstieg war jedoch nicht so ausgeprägt wie im März. Die Marktteilnehmer:innen gehen aktuell davon aus, dass der hohe Ölpreis nicht von langer Dauer ist. In den USA sind die Inflationserwartungen in den letzten Wochen interessanterweise nicht mehr gestiegen. Die für Juni tiefere Inflation hat bei den Marktteilnehmer:innen offenbar zu neuer Zuversicht geführt. Und sie setzen anscheinend auch darauf, dass die Fed die Inflation schnell unter Kontrolle bringt. Dazu müsste sie aber die Zinsen anheben, was auf enormen politischen Widerstand stoßen würde. Wie reagieren die Zentralbanken nun also auf die Inflation bzw. die Inflationserwartungen?

Zinsen & Inflation

Die Marktteilnehmer:innen erwarten höhere Zinsen

Die EZB und die Fed sind mit unterschiedlichen Gangarten unterwegs. In Reaktion auf die höhere Inflation hat die EZB im Juni die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,25 % angehoben. Im Juli hat sie die Zinsen zwar unverändert beibehalten, aber zugleich deutliche Hinweise für eine weitere Zinserhöhung im September gegeben. Diese hat der Markt mittlerweile fast vollständig eingepreist. Die Marktteilnehmer:innen sehen bis zum Jahresende sogar noch die Möglichkeit einer zusätzlichen Zinserhöhung. Der Einlagesatz könnte also sogar auf 2,75 % steigen. Die Markterwartungen haben sich dabei vor allem in den letzten vier Wochen nach oben verschoben. Dies war die Folge des wieder höheren Ölpreises und der gestiegen Inflationserwartungen. Die Fed hat ihre Zinsen heuer bislang unverändert beibehalten. Aber auch von ihr wird heuer noch eine Zinserhöhung erwartet, um die Inflation zu bekämpfen. Im Gegensatz zur EZB haben sich die Fed-Erwartungen zuletzt nicht großartig verändert. Die Marktteilnehmer:innen hatten schon im Juni rund um den Amtsantritt des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh ihre Zinserwartungen nach oben geschraubt. Denn Warsh hatte sich überraschend restriktiv gezeigt. Die höheren Zinserwartungen haben sich in den Anleiherenditen niedergeschlagen.

Die Marktteilnehmer:innen erwarten höhere Zinsen

Märkte

Höhere Zinserwartungen spiegeln sich in höheren Anleiherenditen wider

Die Anleiherenditen und somit die Anleihekurse waren Spielball der Inflations- und Zinserwartungen der Marktteilnehmer:innen. Infolge der gestiegenen Inflationserwartungen und der höheren Zinserwartungen sind sowohl in Europa als auch in den USA die Renditen der Anleihen gestiegen. Der Renditeanstieg war dabei am kurzen Ende der Zinskurve ausgeprägter als am langen Ende, da Zinsveränderungen der Zentralbanken zunächst größere Auswirkungen auf kürzer laufende Anleihen haben. 

Höhere Zinserwartungen spiegeln sich in höheren Anleiherenditen wider

In Deutschland, stellvertretend für die Eurozone, ist daher die Rendite zweijähriger Bundesanleihen seit Jahresbeginn um knapp 70 Basispunkte gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte um 35 Basispunkte nach oben. Die Zinskurve hat sich also im Jahresverlauf verflacht. Die zehnjährige Rendite lag zwischenzeitlich auf dem höchsten Stand seit über 15 Jahren. In den USA zeigt sich ein vergleichbares Bild: Hier sind die Renditen zwei- und zehnjähriger Staatsanleihen um rund 80 bzw. um über 50 Basispunkte gestiegen. Im Renditeanstieg in den USA haben sich auch die Sorgen über eine ausufernde Staatsverschuldung niedergeschlagen. Die Kurse der Anleihen sind heuer somit gefallen. 2026 scheint damit ein weiteres schwieriges Rentenjahr zu werden.

Wechseln wir damit von den Anleihen zu Aktien.

Märkte

Erneut sehr gute Berichtssaison der Unternehmen in den USA

Ein bestimmendes Thema an den Aktienmärkten ist in diesen Wochen die Berichtssaison der Unternehmen für das abgelaufene Quartal. Sie ist in vollem Gange, wobei sich der Schwerpunkt mittlerweile nach Europa verlagert. 

Erneut sehr gute Berichtssaison der Unternehmen in den USA

In den USA haben einmal mehr viele Unternehmen starke Zahlen vorgelegt. Die überwältigende Mehrheit hat dabei beim Umsatz und beim Gewinn die Markterwartungen übertroffen. Der Fokus richtete sich auf die großen Technologiekonzerne und insbesondere deren KI-Investitionen. Die guten Zahlen haben nicht immer zu steigenden Kursen geführt. Denn die Unternehmen haben zum Teil nur einen verhaltenen Ausblick gegeben oder höhere Kosten bzw. Investitionen angekündigt, was den Marktteilnehmer:innen nicht gefallen hat. Zudem waren viele Aktien im Vorfeld schon stark gestiegen. Unternehmen, die enttäuscht haben, wurden wie in den Quartalen zuvor abgestraft. Deren Aktien haben teils zweistellig verloren. In Europa verläuft die Berichtssaison etwas verhaltener. Aber auch hier überwiegen die positiven Überraschungen. Auffällig ist, dass die Unternehmen in Europa und in den USA die Herausforderungen der letzten Monate im Großen und Ganzen gut gemeistert haben. Weder die US-Zölle noch die hohen Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges haben deutlichere Bremsspuren hinterlassen.

Entsprechend sind heuer viele Aktienindizes gestiegen.

Märkte

Viele Aktienmärkte sind heuer deutlich im Plus

Angetrieben von der KI-Rally in den ersten Monaten des Jahres und Hoffnungen auf ein echtes Ende des Iran-Krieges sind viele Aktienmärkte im laufenden Jahr deutlich im Plus. Sie haben auch mehrfach neue Rekordhochs markiert. Allerdings hat der Juli die Performance etwas gedrückt. 

Viele Aktienmärkte sind heuer deutlich im Plus

In Euro gerechnet sind US-Aktien heuer um über 11 % gestiegen. Etwas weiter vorne lagen die US-Technologiewerte, wobei sie in den letzten Wochen stärker verloren haben. Europäische Aktien weisen per Ende Juli ein Plus von knapp 10 % auf. Innerhalb Europas haben sich italienische Werte besonders gut entwickelt. Der Aktienindex unserer südlichen Nachbarn wurde von Banken und Versorgern angetrieben. Japanische Unternehmen profitierten heuer vom anhaltend schwachen Yen, der Exporte attraktiver macht. Der schwache Yen hat allerdings die Performance aus der Sicht eines Euro-Investors geschmälert. Stark vom KI-Hype profitierte der südkoreanische Aktienindex. Dieser liegt mit 60 % im Plus. Zwischenzeitlich hatte er sich sogar schon verdoppelt. Alles in allem deutet sich heuer ein weiteres gutes Aktienjahr an.

Welche Themen werden uns daneben in den kommenden Monaten begleiten?

Fazit

Welche Themen werden uns nun in den kommenden Monaten begleiten?

Unser Basisszenario ist weiter gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa nur kurzzeitig erhöht ist, es weitere Zinserhöhungen gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer länger erhöhten Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, dass die Fed unberechenbarer agiert und den aktuell hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, ein echtes Ende des Iran-Krieges und eine Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.

Wichtige Hinweise

Die hier dargestellten Angaben dienen trotz sorgfältiger Recherche ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht eine, insbesondere nach rechtlichen, steuerlichen und produktspezifischen Gesichtspunkten notwendige, individuelle Beratung für etwaig darin beschriebene Finanzinstrumente. Die Information stellt weder ein Anbot noch eine Einladung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und dient insbesondere nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung.

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