EZB – erste Zinserhöhung wegen gestiegener Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juni die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Dies war die erste Zinserhöhung seit September 2023. Der Einlagesatz liegt jetzt bei 2,25 % und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 %. Die Zinserhöhung stellte keine Überraschung dar, da sie von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Vorfeld quasi angekündigt wurde.

Inflation: Nur kurze Verschnaufpause? — Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die angeführten Prognosen beruhen auf angemessenen, durch objektive Daten gestützten Annahmen bezogen auf den oben angeführten Zeitraum. Stand per 14.7.2026 | Quelle: Eurostat, Bureau of Labor Statistics, FactSet

Die EZB hat die Zinserhöhung mit dem Inflationsdruck begründet. Denn die Teuerungsrate in der Eurozone war im Zuge des Iran-Krieges im Mai auf 3,2 % gestiegen, den höchsten Stand seit Herbst 2023. Der Inflationsanstieg ist primär auf die höheren Energiepreise im Allgemeinen und Ölpreise im Speziellen zurückzuführen. In den ersten Wochen nach Beginn des Iran-Krieges war der Brent-Ölpreis auf 120 USD je Barrel nach oben geschnellt. Er hatte sich damit von seinem Jahresanfangsniveau verdoppelt. Mit der Nachrichtenlage zum Iran-Krieg schwankte auch der Ölpreis stark. Im Zuge der Ankündigung des vorläufigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran war er zwar zwischenzeitlich in etwa auf das Preisniveau vor Kriegsbeginn zurückgefallen. Mit dem Wiederaufflammen der gegenseitigen Angriffe ist er aber wieder spürbar gestiegen. Der Inflationsrückgang im Juni auf 2,8 % könnte daher nur eine Verschnaufpause sein. Schon zuvor hatten mehrere EZB-Vertreter davor gewarnt, dass der Energiepreisschock und Lieferausfälle aufgrund der Schließung der „Straße von Hormus“ zu einer länger anhaltend hohen Inflation führen könnten. Die erhöhten Energiepreise könnten sich demnach auch noch auf die Preise von Nahrungsmitteln, Güter und Dienstleistungen durchschlagen. Trotz des jüngsten Rückgangs liegt die Inflation weiter deutlich über dem EZB-Ziel von 2 %.

Die EZB selbst hält eine nochmalige Zinserhöhung für möglich, zumal sie auf ihrer letzten Sitzung die eigenen Inflationsprognosen für dieses und die kommenden Jahre nach oben genommen hat. Zudem haben sich einige Notenbankvertreter zuletzt restriktiv geäußert. Dies deutet tendenziell auf eine Straffung der Geldpolitik hin. Die Marktteilnehmer:innen erwarten, dass die EZB die Zinsen heuer mindestens noch einmal erhöht. Sie schwanken zwischen den Sitzungen im September und Oktober. Für die Dezember-Sitzung ist ein weiterer Zinsschritt zum Großteil eingepreist. Sollte die EZB tatsächlich die Zinsen weiter anheben, würde der Einlagesatz auf 2,5 % oder sogar darüber steigen. Einige Marktbeobachter:innen gehen davon aus, dass die EZB die Zinserhöhungen im nächsten Jahr wieder zurücknehmen wird, sobald die Inflationsrate nachhaltig in Richtung ihres Ziels fällt.

Die Wirtschaft in der Eurozone kämpft mit den hohen Energiepreisen. Während sich die Industrieunternehmen noch einigermaßen zuversichtlich zeigen, da sie von den vermehrten Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung profitieren, ist der Dienstleistungssektor das Sorgenkind. Die zwischenzeitlichen Rezessionssorgen einiger Marktteilnehmer:innen sind zwar geringer geworden und es deutet sich im zweiten Halbjahr eine Erholung an. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dürfte heuer aber nur mager ausfallen. Dies wird die EZB in ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen. Denn mit weiteren Zinserhöhungen läuft die EZB Gefahr, die Wirtschaft ganz abzuwürgen.

US-Fed – noch keine Zinssenkungen

Die Inflation ist heuer in den USA stärker gestiegen als in der Eurozone. Sie lag im Mai sogar über 4 %, was es zuletzt vor mehr als drei Jahren gab. Hohe Tankstellenpreise im Zuge der erhöhten Ölpreise waren der wesentliche Inflationstreiber. Eine Gallone Benzin kostete im Landesdurchschnitt lange Zeit mehr als vier Dollar. Die Inflation ist im Juni zwar auf 3,5 % gefallen. Ob dies nachhaltig ist, bleibt aber abzuwarten. Denn durch das Wiederaufflammen des Iran-Krieges sind die Ölpreise in den letzten Wochen wieder deutlich gestiegen. Dem gegenüber steht allerdings, dass der durch die Zölle ausgelöste Preisschub nachlässt. Und zuletzt haben sich neben Fed-Chef Warsh weitere Notenbankvertreter dahingehend geäußert, dass der KI-Boom die Preise nur vorübergehend anfacht. Nichtsdestotrotz liegt die Inflation weiter klar über dem 2 %-Ziel der Fed.

Die US-Konjunktur zeigt sich bislang noch robust, auch wenn sie aktuell nicht mehr ganz so schnell wächst wie im letzten Jahr. Sie wird vor allem vom KI-Boom angetrieben, der zu immensen Investitionen in die IT-Infrastruktur führt. Die US-Wirtschaft scheint relativ gut durch die vom Iran-Krieg ausgelösten Turbulenzen zu kommen. Der für die Fed wichtige Arbeitsmarkt hat zwar mittlerweile an Dynamik verloren, er gibt aber noch keinen Anlass zur Sorge. Aus dieser Sicht bräuchte die Fed die Zinsen derzeit weder zu erhöhen noch zu senken.

Im Fokus der Fed-Beobachter:innen standen in den letzten Wochen allerdings gar nicht so sehr die Inflation und die Konjunktur. Vielmehr war der Chefwechsel von Jerome Powell zu Kevin Warsh das bestimmende Thema. Warsh wurde von Trump berufen mit der Erwartung, die Zinsen schnell zu senken. Denn hohe Zinsen führen zu steigenden Zinsausgaben der USA, was die Sorgen vor ausufernden Staatsschulden erhöht. Eingriffe der Politik könnten aber die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr bringen. Diese Sorgen wurden zunächst jedoch erstmal etwas zerstreut, denn in seiner ersten Pressekonferenz hat sich Warsh überraschend restriktiv gegeben. Von Zinssenkungen war keine Rede. Vielmehr deuten die Projektionen der Fed sogar auf eine Zinserhöhung hin. Daneben will Warsh die Fed in verschiedenen Bereichen neu ausrichten. So soll zum Beispiel die Kommunikation mit dem Markt deutlich reduziert werden.

Die Marktteilnehmer:innen haben ihre Erwartungen an die Fed in den vergangenen Wochen mehrfach angepasst. Aktuell gehen sie heuer von einer Zinserhöhung aus, wobei diese für die Dezember-Sitzung eingepreist ist. Ob die Fed die Zinsen tatsächlich erhöht, scheint angesichts des politischen Drucks fraglich. Vielmehr könnte sie im Laufe des nächsten Jahres mit Zinssenkungen beginnen.
 

Geldpolitik: Wie reagieren die Zentralbanken? — Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die angeführten Prognosen beruhen auf angemessenen, durch objektive Daten gestützten Annahmen bezogen auf den oben angeführten Zeitraum. Stand per 20.7.2026 | Quelle: EZB, Fed, FactSet

Vor dem Iran-Krieg hatten die Marktteilnehmer:innen von der Fed heuer zwei Zinssenkungen erwartet. Ähnlich wie für die EZB hat sich diese Einschätzung seit Anfang März aber spürbar verändert. Sie gehen nun davon aus, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende unverändert beibehält. Denn auch in den USA ist die Inflation im Zuge der hohen Energiepreise bereits gestiegen. Im März lag sie bei 3,3 % und damit fast einen Prozentpunkt höher als im Vormonat. Die USA sind zwar ein Netto-Exporteur von Öl und Gas und daher eigentlich weniger von den Preisanstiegen an den internationalen Märkten betroffen. Aber da die USA jetzt ihre Energieträger teurer ins Ausland verkaufen können, steigen auch die lokalen Preise, was unter anderem an den Tankstellen zu beobachten ist. Benzin und Diesel sind in den USA in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden. Die Inflationserwartungen in den USA sind wie in der Eurozone zuletzt deutlich gestiegen und liegen mittlerweile ebenfalls klar über 3 %. Allerdings wird die aktuell höhere Inflation noch nicht als nachhaltig erachtet.

 

Der noch amtierende Fed-Vorsitzende Jerome Powell räumte nach der letzten Sitzung ein, dass die Inflation in den USA aufgrund einer Reihe von Schocks seit rund fünf Jahren über dem 2 %-Ziel der Fed liegt. Der aktuell drohende weitere Anstieg der Inflation aufgrund der hohen Energiepreise könnte den Rückgang der Inflation weiter verzögern. Daher dürfte die Fed kurzfristig von Zinssenkungen absehen. Allerdings ist auch nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen. Denn neben der Preisstabilität ist die Sicherung der Vollbeschäftigung die zweite zentrale Aufgabe der Fed. Und der Arbeitsmarkt in den USA hat mittlerweile deutlich an Dynamik verloren. Die US-Notenbank scheint sich mehr auf den Arbeitsmarkt und weniger auf die Inflation zu konzentrieren, denn sie hat die zu hohe Teuerungsrate bislang toleriert.

 

Die Zinserwartungen an die Fed und auch die EZB haben zuletzt stark geschwankt. Nach einem Ende des Iran-Krieges und einer Normalisierung der Lage könnten also durchaus wieder Zinssenkungen in den USA eingepreist werden. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass die Fed im Mai einen neuen Chef bekommt. Kevin Warsh, der designierte Nachfolger von Jerome Powell, ist Trump gegenüber loyal und hat bereits angekündigt, die Zinsen senken zu wollen. Ob sich dies aber in dem aktuellen Umfeld durchsetzen lässt, ist fraglich, da auch Kevin Warsh nur eine Stimme im FOMC hat. Die Politisierungsdebatte rund um die Fed wird jedenfalls in den kommenden Monaten wieder neue Nahrung erhalten.

Wichtige Hinweise

Die hier dargestellten Angaben dienen, trotz sorgfältiger Recherche, ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht eine, insbesondere nach rechtlichen, steuerlichen und produktspezifischen Gesichtspunkten notwendige, individuelle Beratung für die darin beschriebenen Finanzinstrumente. Die Information stellt weder ein Anbot, noch eine Einladung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und dient insbesondere nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung.

Jede Anlage in Wertpapieren ist mit dem Risiko des Kapitalverlustes verbunden. Insbesondere können Kursschwankungen, Zinsänderungen und Bonitätsverschlechterungen des Emittenten den Wert, Kurs oder Ertrag des Wertpapiers negativ beeinflussen. Bei Veranlagung in fremder Währung entsteht zusätzlich ein Währungsrisiko, welches sich ertragsmindernd oder ertragserhöhend auswirken kann.

Die jeweils gültigen Bedingungen jedes Finanzproduktes und weitere Informationen finden Sie unter www.spaengler.at bzw. beim jeweiligen Produktanbieter. Für Detailauskünfte zu Risiken und Kosten steht Ihnen Ihr:e persönliche:r Berater:in  im Bankhaus Spängler gerne zur Verfügung. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen wurden sorgfältig erarbeitet und beruhen auf Quellen, die als zuverlässig erachtet werden.

Alle Informationen, Meinungen und Einschätzungen in diesem Dokument geben die aktuelle Einschätzung der Verfasser:innen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung - insbesondere im Hinblick auf künftig anwendbare regulatorische Neuerungen (EU-Verordnungen und nationale Gesetze etc.) zum Thema Nachhaltigkeit - ändern. Die dargebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft wider. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft ist nicht dazu verpflichtet, dieses Dokument zu aktualisieren, zu ergänzen oder abzuändern, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand, eine enthaltene Stellungnahme, Schätzung oder Prognose ändert oder unzutreffend wird. Die Bankhaus Carl Spängler & Co. Aktiengesellschaft übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der hierin enthaltenen Informationen, Druckfehler sind vorbehalten.

Dieses Dokument ist keine Finanzanalyse und unterliegt daher weder den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen noch dem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Zuständige Aufsichtsbehörde: Österreichische Finanzmarktaufsicht, Otto-Wagner-Platz 5, 1090 Wien.

Marketingmitteilung
Stand 20.07.2026

Browser wird nicht unterstützt

Unsere Website kann von Ihrem Browser leider nicht aufgerufen werden, da dieser nicht mehr unterstützt wird.
Aktualisieren Sie bitte Ihren Browser, um die Website anzuzeigen und ein besseres und sicheres Online-Erlebnis zu haben.

Online Banking öffnen

Kontakt

Stammhaus Salzburg
Schwarzstraße 1
5020 Salzburg
+4366286860
bankhaus@spaengler.at