Der Iran-Krieg hält die Märkte weiter in Atem. Aktien konnten sich in den letzten Wochen allerdings deutlich erholen und haben teilweise neue Rekordhochs erreicht. Sie werden unter anderem von der wieder aufgekommenen KI-Euphorie und guten Unternehmenszahlen getragen. Die konjunkturellen und auch die Inflationsaussichten sehen allerdings nicht rosig aus, vor allem je länger der Iran-Krieg andauert. Wir wirkt sich der Iran-Krieg auf die Konjunkturprognosen aus?

Konjunktur

Die Wachstumsprognosen werden reduziert

Der seit nunmehr Anfang März andauernde Iran-Krieg und damit verbunden die Schließung der Straße von Hormus haben bereits Auswirkungen auf die Wirtschaft. Viele Unternehmen sprechen von höheren Lieferzeiten und steigenden Inputkosten. Viele Analyst:innen, Regierungen und Institutionen haben ihre Prognosen gesenkt, so auch der IWF. Er hat vor kurzem die Erwartung für das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem Jahr im Vergleich zu seiner Jänner-Schätzung um zwei Zehntel auf 3,1 % reduziert. Der IWF sieht zudem noch Abwärtsrisiken für diese Prognose. Die Wirtschaft in der Eurozone soll ebenfalls um zwei Zehntel langsamer wachsen. 

Die Wachstumsprognosen werden reduziert — Erwartetes BIP-Wachstum für 2026 gegenüber Vorjahr | Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die angeführten Prognosen beruhen auf angemessenen, durch objektive Daten gestützten Annahmen bezogen auf den oben angeführten Zeitraum. Stand per 14.04.2026 | Quelle: IWF

Ende April veröffentlichte Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes oder der Ifo-Index deuten auf eine deutliche Verlangsamung im weiteren Jahresverlauf hin. Für die USA wurde die Prognose nur leicht gesenkt, da sie von der Energiepreiskrise nicht so stark betroffen ist wie andere Regionen. Auch für China hat der IWF die Prognose nur leicht gesenkt. Hohe Lagerbestände an Energierohstoffen und staatliche Maßnahmen unterstützen die Wirtschaft im Reich der Mitte. Während die Konjunkturprognosen reduziert werden, steigen die Inflationserwartungen und die tatsächliche Inflation.

Zinsen & Inflation

Die Inflation zieht wieder an

Durch den Iran-Krieg sind die Preise für Energieträger, vor allem Öl, deutlich gestiegen. Daneben sind Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Kerosin stark gestiegen. Und auch Düngemittel sind teurer geworden, was sich auf die Nahrungsmittelpreise durchschlägt. Daher verwundert es nicht, dass die Inflationsrate in der Eurozone im April auf 3 % gestiegen ist, den höchsten Wert seit 2½ Jahren. Und sie könnte noch weiter steigen, sollte die Straße von Hormus länger geschlossen und der Schiffsverkehr damit beeinträchtigt bleiben. In den USA lag die Teuerungsrate schon im März über 3 %. 

Die Inflation zieht wieder an — Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die angeführten Prognosen beruhen auf angemessenen, durch objektive Daten gestützten Annahmen bezogen auf den oben angeführten Zeitraum. Stand per 30.04.2026 | Quelle: Eurostat, Bureau of Labor Statistics, FactSet

Da vor allem die Tankstellenpreise aktuell sehr hoch sind, ist auch in den USA mit einem weiteren Anstieg der Inflation zu rechnen. Sowohl in der Eurozone als auch in den USA steigen die Inflationserwartungen jedenfalls weiter. In der Eurozone haben sie sich mittlerweile der Marke von 4 % genähert. Wie reagieren die Zentralbanken auf die höhere Inflation?

Unterschiedliche Markterwartungen zur Zinsentwicklung bis zum Jahresende

Ende April fanden die letzten Sitzungen der EZB und Fed statt. Wie schon im März haben beide Zentralbanken auch diesmal ihre Zinsen unverändert beibehalten. Die EZB verwies darauf, dass die Ratsmitglieder noch mehr Informationen benötigen, um sich ein Urteil zu bilden. Sie hat aber für die nächste Sitzung im Juni eine Zinserhöhung angedeutet, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Die Marktteilnehmer:innen erwarten von der EZB heuer noch drei Zinserhöhungen, die erste zur Jahresmitte.

Unterschiedliche Markterwartungen zur Zinsentwicklung bis zum Jahresende — Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung. Die angeführten Prognosen beruhen auf angemessenen, durch objektive Daten gestützten Annahmen bezogen auf den oben angeführten Zeitraum. Stand per 30.04.2026 | Quelle: Eurostat, Bureau of Labor Statistics, FactSet

Die Sitzung der Fed wurde zum letzten Mal von Jerome Powell geleitet, der Mitte Mai als Chef von Kevin Warsh abgelöst wird. Warsh wurde von US-Präsident Trump ausgewählt, der sich von ihm Zinssenkungen erwartet. Inwiefern diese im aktuellen Umfeld durchsetzbar sind, bleibt allerdings abzuwarten. Denn Warsh müsste ausreichend Mitglieder im FOMC auf seine Seite ziehen, um Zinssenkungen trotz der erhöhten Inflation durchzusetzen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie stark der Einfluss der Politik auf die Fed zunimmt und ob die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft in Gefahr ist. Die Marktteilnehmer:innen erwarten aktuell, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende unverändert beibehält. Kommen wir von den Makroaussichten nun zu den Kapitalmärkten.

Märkte

Die Anleiherenditen sind noch nicht wieder zurückgekommen

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Anleihemärkte. Mit Beginn des Iran-Krieges haben die Anleihekurse nachgegeben, da die Renditen gestiegen sind. Dies gilt in unterschiedlichem Ausmaß für nahezu alle Länder und Laufzeiten. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen, stellvertretend für die Eurozone, hat im Zuge dessen die Marke von 3 % überschritten. Sie ist zeitweise auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert. Gründe für den Anstieg sind die höhere Inflation und die daraus resultierenden Zinserhöhungserwartungen. Daneben spielen die geplanten deutlich höheren Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur eine Rolle, die auch über den Kapitalmarkt finanziert werden. Auch in den USA ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen seit Anfang März in Richtung 4,5 % gestiegen.

Die Anleiherenditen sind noch nicht wieder zurückgekommen — Rendite zehnjähriger Staatsanleihen | Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Stand per 30.04.2026 | Quelle: FactSet

Neben den veränderten Zinserwartungen und der steigenden Staatsverschuldung kommt hinzu, dass Investor:innen Gelder aus den USA abziehen. Denn sie sind nicht mit der erratischen Zoll- und Außenpolitik der US-Regierung einverstanden. Während sich die Anleiherenditen noch auf erhöhten Niveaus bewegen, haben die Aktienmärkte ihre Verluste wieder aufgeholt.

Aktienmärkte markieren neue Rekordhochs

Nachdem die Aktienmärkte positiv in das Jahr gestartet waren, kam es mit Beginn des Iran-Krieges zu einem Stimmungsumschwung unter den Marktteilnehmer:innen. Europäische Aktien hatten im März 8 % verloren. Emerging Markets gaben in Euro gerechnet mit rund 11 % etwas stärker nach. Am besten hielten sich in dieser Darstellung US-Aktien, die nur knapp 3 % fielen. Aus Sicht eines Euro-Investors federte der festere US-Dollar stärkere Verluste ab. Im April hat sich das Blatt aber bereits wieder gewendet: Die Aktienmärkte haben einen Teil oder sogar alle Verluste aufgeholt. Emerging Markets und US-Aktien erreichten sogar neue Rekordhochs. 

Aktienmärkte markieren neue Rekordhochs — Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Stand per 30.04.2026 | Quelle: FactSet | Alle Angaben in Euro.

Die Marktteilnehmer:innen schauen anscheinend durch den Iran-Krieg hindurch und erwarten offenbar auf kurz oder lang eine Lösung. Zudem ist die KI-Euphorie wieder aufgeflammt, nachdem einige große Technologieunternehmen weitere Milliarden-Investitionen in KI angekündigt haben. Daneben verläuft die Berichtssaison der Unternehmen bislang positiv, vor allem in den USA. Dies gibt den Aktienkursen ebenfalls Auftrieb. Wie haben sich die Unternehmen im ersten Quartal geschlagen?

Gute Berichtssaison der Unternehmen – vor allem in den USA

Mitte April hat in den USA die Berichtssaison der Unternehmen zum ersten Quartal begonnen. Mittlerweile haben fast zwei Drittel der Unternehmen des S&P 500 Zahlen vorgelegt. Und die sind zumeist sehr positiv ausgefallen. Beim Umsatz haben über 70 % der Unternehmen die Erwartungen übertroffen, beim Gewinn waren es rund 80 %. Zudem wurden auch recht positive Ausblicke präsentiert. Gute Zahlen wurden von den Marktteilnehmern honoriert, so dass so mancher Aktienkurs stark gestiegen ist. Unternehmen, die enttäuscht haben, wurden allerdings auch abgestraft. In Europa verläuft die Berichtssaison einmal mehr verhalten. Positive und negative Überraschungen halten sich hier bislang in etwa die Waage. Im Stoxx 600 steht der Höhepunkt der Berichtssaison noch bevor, so dass es hier noch größere Verschiebungen geben kann. 

Gute Berichtssaison der Unternehmen – vor allem in den USA — Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Stand per 04.05.2026 | Quelle: FactSet

Der Iran-Krieg hat sich in den Zahlen der Unternehmen noch nicht spürbar bemerkbar gemacht. Mit zunehmender Kriegsdauer dürften aber Bremsspuren sichtbar werden. Dann könnten auch die bislang noch recht hohen Gewinnerwartungen für dieses Jahr in Frage gestellt werden. Welche Themen werden uns daneben in den kommenden Monaten begleiten?

Fazit

Welche Themen werden uns in den kommenden Monaten begleiten?

Unser Basisszenario ist weiter gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa nur kurzzeitig erhöht ist, es weitere Zinssenkungen in den USA gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer deutlich steigenden Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, der Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert und den aktuell noch hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, ein mögliches Ende des Iran-Krieges und eine Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.

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