EZB – Abwarten oder handeln?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auch heuer auf ihren beiden Sitzungen die Zinsen unverändert beibehalten. Das heißt, der Einlagesatz liegt weiter bei 2 % und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 %. Es wurde allerdings auch keine Zinsveränderung erwartet. Seit dem Ende des Zinssenkungszyklus im Juni 2025 fühlt sich die EZB mit ihrer Geldpolitik wohl, was auch Präsidentin Christine Lagarde mehrfach betonte.
Bis zum Beginn des Iran-Krieges wäre die aktuelle Geldpolitik der EZB wohl auch nicht in Frage gestellt worden. Seit Anfang März überdenken die Marktteilnehmer:innen aber diese Einstellung. Sie gehen nun davon aus, dass die EZB die Zinsen heuer zweimal erhöht, um die steigende Inflation einzudämmen. Der erste Zinsschritt ist für die Juni-Sitzung voll eingepreist, der zweite soll demnach im September erfolgen. Der Einlagesatz würde dann also auf 2,5 % steigen.
Die letzte EZB-Sitzung fand Mitte März und damit knapp drei Wochen nach Kriegsbeginn statt. Zu diesem Zeitpunkt war es für die EZB noch zu früh, schon konkrete Maßnahmen zu beschließen, da noch keine Daten vorlagen, die den Krieg berücksichtigten. Christine Lagarde wie auch andere EZB-Vertreter:innen haben aber betont, die Lage genau zu beobachten und bei Bedarf zu handeln.
Mittlerweile gibt es erste Indikationen, welche Auswirkungen der Iran-Krieg auf die Inflation und Wirtschaft hat und zukünftig noch haben könnte. Ende März wurden vorläufige Inflationsdaten veröffentlicht, wonach die Teuerungsrate in der Eurozone im letzten Monat von 1,9 % auf 2,5 % nach oben gesprungen ist. Darin haben sich vor allem die deutlich höheren Energiepreise niedergeschlagen. In den anderen wesentlichen Komponenten der Inflation wie Nahrungs- und Genussmittel, Industriegüter und Dienstleistungen hat sich der Iran-Krieg dagegen noch nicht gezeigt. Je länger der Krieg andauert – der vereinbarte Waffenstillstand bedeutet noch keinen Frieden in der Region –, umso stärker wird er sich aber auch in diesen Komponenten bemerkbar machen. Und bis die aktuell deutlich reduzierten Energielieferungen aus dem Nahen Osten wieder ihr Vorkriegsniveau erreichen, dürfte noch viel Zeit vergehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die erwartete Inflation auf Sicht von einem Jahr in der Eurozone sprunghaft gestiegen ist. Sie wird aktuell bei deutlich über 3 % gesehen, nachdem sie vor dem Krieg noch unter 2 % lag. Und in Bezug auf die Wirtschaft deuten Stimmungs- bzw. Frühindikatoren an, dass die Konjunktur in der Eurozone durch den Iran-Krieg zumindest deutlich gebremst wird. Vielfach wird von einer erwarteten Stagnation, das heißt kein Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig erhöhter Inflation, gesprochen. Erste Marktteilnehmer:innen erwarten mittlerweile sogar eine Rezession in der Eurozone.
Die EZB wird die Inflations- und Konjunkturentwicklung in ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen. Sie steht damit aber auch vor einem Dilemma: Einerseits müsste sie der höheren und wahrscheinlich weiter steigenden Inflation mit Zinserhöhungen entgegenwirken. Andererseits bringen Zinserhöhungen konjunkturelle Risiken mit sich. Zudem sind viele Euro-Länder hoch verschuldet. In der Vergangenheit wurde der EZB oftmals vorgeworfen, mit geldpolitischen Maßnahmen zu lange gezögert zu haben.
US-Fed – Senkt sie oder senkt sie nicht?
Auch die US-Notenbank Fed hat heuer die Leitzinsen bislang unverändert beibehalten. Die Spanne der Leitzinsen liegt damit weiter bei 3,50-3,75 %. Die Fed hat sich zugleich dem anhaltend großen politischen Druck erwehrt, die Zinsen zu senken. Denn US-Präsident Donald Trump attackiert weiter vielfach die Fed und fordert von ihr deutlich niedrigere Zinsen, was zu Sorgen über deren Unabhängigkeit geführt hat. Wann die Fed ihren Zinssenkungszyklus wieder aufnimmt, ist unklar.
Vor dem Iran-Krieg hatten die Marktteilnehmer:innen von der Fed heuer zwei Zinssenkungen erwartet. Ähnlich wie für die EZB hat sich diese Einschätzung seit Anfang März aber spürbar verändert. Sie gehen nun davon aus, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende unverändert beibehält. Denn auch in den USA ist die Inflation im Zuge der hohen Energiepreise bereits gestiegen. Im März lag sie bei 3,3 % und damit fast einen Prozentpunkt höher als im Vormonat. Die USA sind zwar ein Netto-Exporteur von Öl und Gas und daher eigentlich weniger von den Preisanstiegen an den internationalen Märkten betroffen. Aber da die USA jetzt ihre Energieträger teurer ins Ausland verkaufen können, steigen auch die lokalen Preise, was unter anderem an den Tankstellen zu beobachten ist. Benzin und Diesel sind in den USA in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden. Die Inflationserwartungen in den USA sind wie in der Eurozone zuletzt deutlich gestiegen und liegen mittlerweile ebenfalls klar über 3 %. Allerdings wird die aktuell höhere Inflation noch nicht als nachhaltig erachtet.
Der noch amtierende Fed-Vorsitzende Jerome Powell räumte nach der letzten Sitzung ein, dass die Inflation in den USA aufgrund einer Reihe von Schocks seit rund fünf Jahren über dem 2 %-Ziel der Fed liegt. Der aktuell drohende weitere Anstieg der Inflation aufgrund der hohen Energiepreise könnte den Rückgang der Inflation weiter verzögern. Daher dürfte die Fed kurzfristig von Zinssenkungen absehen. Allerdings ist auch nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen. Denn neben der Preisstabilität ist die Sicherung der Vollbeschäftigung die zweite zentrale Aufgabe der Fed. Und der Arbeitsmarkt in den USA hat mittlerweile deutlich an Dynamik verloren. Die US-Notenbank scheint sich mehr auf den Arbeitsmarkt und weniger auf die Inflation zu konzentrieren, denn sie hat die zu hohe Teuerungsrate bislang toleriert.
Die Zinserwartungen an die Fed und auch die EZB haben zuletzt stark geschwankt. Nach einem Ende des Iran-Krieges und einer Normalisierung der Lage könnten also durchaus wieder Zinssenkungen in den USA eingepreist werden. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass die Fed im Mai einen neuen Chef bekommt. Kevin Warsh, der designierte Nachfolger von Jerome Powell, ist Trump gegenüber loyal und hat bereits angekündigt, die Zinsen senken zu wollen. Ob sich dies aber in dem aktuellen Umfeld durchsetzen lässt, ist fraglich, da auch Kevin Warsh nur eine Stimme im FOMC hat. Die Politisierungsdebatte rund um die Fed wird jedenfalls in den kommenden Monaten wieder neue Nahrung erhalten.
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Marketingmitteilung
Stand 14.04.2026
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