Hoffnungen auf eine Lösung des Iran-Krieges haben den Aktienmärkten zuletzt Auftrieb gegeben. Die Wirtschaft leidet dagegen unter den Auswirkungen des Krieges und der hohen Energiepreise. In der Eurozone droht die Konjunktur abzurutschen. Dennoch dürfte die EZB kurzfristig die Zinsen erhöhen, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Wie ist aktuell die Stimmung in den Unternehmen?
Konjunktur
Unterschiedliche Stimmung in den Unternehmen
Die Stimmung in den Unternehmen in der Eurozone hat sich in den letzten Monaten deutlich eingetrübt. Dies ist hauptsächlich auf den Krieg im Nahen Osten und die hohen Energiepreise zurückzuführen. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex ist im Mai auf den tiefsten Stand seit mehr als 2½ Jahren gefallen. Er liegt mittlerweile auf einem Niveau, bei dem die Wirtschaft in der Vergangenheit oftmals geschrumpft ist.
Und mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, steigen die Konjunkturrisiken. Vor allem im Dienstleistungsbereich hat sich die Stimmung weiter verschlechtert. Wegen der hohen Energiepreise halten sich viele Konsumenten mit Ausgaben an anderer Stelle zurück. Im verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung noch etwas besser. Dazu tragen die Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur bei. In den USA ist die Stimmung in den Unternehmen dagegen besser. Die US-Wirtschaft wird durch die hohen Energiepreise weniger belastet. Denn die USA exportieren derzeit viel Öl, Ölprodukte und Gas und profitieren somit von den hohen Preisen. Auch der private Konsum zeigt sich in den USA bislang noch robust. Die US-Wirtschaft dürfte weiter wachsen. Auf die Stimmung in den Unternehmen drückt auch die steigende Inflation.
Zinsen & Inflation
Die Inflation gewinnt an Dynamik
In der Eurozone und in den USA hat die Inflation weiter zugelegt. In der Eurozone hat sie bereits die Marke von 3 % erreicht. Sie liegt damit klar über dem EZB-Ziel von 2 %.
Verantwortlich dafür sind die stark gestiegenen Energiepreise. Mittlerweile berichten auch immer mehr Unternehmen von steigenden Einkaufspreisen, Rohmaterialien und Vorprodukte sind teurer geworden. Die Unternehmen dürften zumindest teilweise die höheren Preise an ihre Kunden weitergeben. Da aber die privaten Haushalte infolge der höheren Inflation an Kaufkraft verlieren, werden Arbeitnehmer höhere Löhne fordern. Dies könnte zu einer Lohn-Preis-Spirale führen. In den USA hat sich die Inflation bereits der Marke von 4 % genähert. Auch in den USA sind die Tankstellenpreise wegen des Iran-Krieges deutlich gestiegen. Die Produzentenpreise sind sogar noch stärker in die Höhe geschnellt. Auch hier spielen die hohen Energiekosten eine große Rolle. Daneben sind wegen der Zölle importierte Güter teurer geworden. Ähnlich wie in der Eurozone dürften auch in den USA die Unternehmen versuchen, die höheren Kosten auf ihre Kunden zu überwälzen. Wie reagieren die Zentralbanken auf die höhere Inflation?
Erhöhen die EZB und die Fed die Zinsen?
Die EZB hat bis zuletzt die Leitzinsen stabil gehalten. Das heißt, der Einlagesatz liegt weiter bei 2 %. Christine Lagarde hat aber für die kommende Sitzung eine Zinserhöhung angedeutet, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Auch weitere EZB-Ratsmitglieder haben sich in den letzten Wochen für eine Zinserhöhung ausgesprochen.
Denn selbst wenn die Straße von Hormus schnell wieder geöffnet werden sollte, dürften die Energiepreise nicht sofort wieder auf ihr Vorkriegsniveau zurückfallen. Und auch die Lieferketten müssten sich erst wieder normalisieren. Eine kurzfristige Zinserhöhung ist am Markt mittlerweile auch fast vollständig eingepreist. Allerdings würde dadurch die Konjunktur weiter belastet werden. Die EZB steht also vor einem Dilemma. Ob es im Jahresverlauf noch weitere Zinserhöhungen geben wird, hängt maßgeblich von der Dauer des Iran-Krieges ab. Die US-Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert beibehalten – sehr zum Missfallen von US-Präsident Trump. Ob der neue Fed-Chef schnelle Zinssenkungen durchsetzen kann, ist angesichts der hohen Inflation fraglich. Die Fed könnte erstmal abwarten, bis sich die Inflationsrate wieder auf ihr Ziel von 2 % zubewegt. Die Marktteilnehmer erwarten auf absehbare Zeit keine Zinssenkung der Fed. Eher gehen sie davon aus, dass die Fed die Zinsen erhöhen muss. Die steigende Inflation und die sich verändernden Zinserwartungen hatten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte.
Märkte
Anleiherenditen sind seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen
Der Iran-Krieg und die dadurch verursachte Inflation hat sich nicht nur in den Zinserwartungen der Marktteilnehmer widergespiegelt. Die Auswirkungen waren auch an den Anleihemärkten zu spüren. Seit Kriegsbeginn Ende Februar sind die Anleiherenditen deutlich gestiegen, was dementsprechend auf den Anleihepreisen lastet. Die Renditeanstiege waren über die gesamte Zinskurve zu beobachten. Wir schauen heute auf die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen.
In Deutschland, stellvertretend für die Eurozone, lag sie vor Kriegsbeginn bei rund 2,6 %. Seitdem ist sie in der Spitze um 60 Basispunkte bis auf 3,2 % gestiegen. Dies war der höchste Stand seit 15 Jahren. In den USA und in Japan war der Renditeanstieg sogar noch ausgeprägter. Dort ging es um über 70 bzw. knapp 70 Basispunkte nach oben. In Japan wurde dabei der höchste Stand seit fast drei Jahrzehnten erreicht. Aktuell sind die Renditen von ihren Höchstständen zwar wieder etwas gefallen, sie liegen aber immer noch auf hohen Niveaus. Erst mit einer nachhaltigen Lösung des Iran-Krieges dürften sie etwas nachgeben, bevor die strukturellen Themen wie zunehmende Staatsverschuldung wieder in den Vordergrund rücken. Während die Anleiherenditen noch hoch sind, sind die Aktienmärkte deutlich gestiegen.
Zumeist positive Aktienmarkt-Performance trotz Iran-Krieg
Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Wochen krisenresistent gezeigt und die kriegsbedingten Verluste aufgeholt. Vielerorts wurden sogar neue Rekordhochs markiert.
So zum Beispiel in den USA. Dort wurden die Märkte vor allem von den Technologieunternehmen getragen. Denn die profitieren von der wieder aufgeflammten KI-Euphorie. Mit einem Plus von 11 % seit Jahresbeginn haben die USA in unserer Betrachtung klar die Nase vorn. Allerdings profitieren nicht alle Unternehmen vom Aufschwung, die Marktbreite ist sogar eher gering. Und mittlerweile sind US-Aktien auch wieder relativ teuer, was zu einer gewissen Vorsicht mahnt. Europäische Aktien sind heuer bis Ende Mai um knapp 6 % gestiegen. Chinesische Aktien, in die Ausländer investieren können, sind dagegen der klare Underperformer. Wir haben hier übrigens die Performance in Euro dargestellt. In lokalen Währungen ist sie vergleichbar, da sich die Währungen stichtagsbezogen heuer kaum verändert haben. Wir sind für Aktien zwar nicht euphorisch, aber zuversichtlich gestimmt. Entsprechend sind wir neutral positioniert. Werfen wir noch einen Blick auf die Energiepreise.
Energiepreise fahren Achterbahn
Der Iran-Krieg hat unmittelbare Auswirkungen auf den Ölpreis. Und der wiederum auf die Inflation, Zinserwartungen und Kapitalmärkte. In der Spitze war der Brentölpreis heuer auf 120 USD je Barrel gestiegen. Mit der Nachrichtenlage zum Iran-Krieg schwankt auch der Ölpreis stark.
Zuletzt ist er wegen Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran deutlicher gefallen. Mit 92 USD liegt er aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Neben dem Ölpreis schwanken auch die Preise für Ölprodukte stark, zum Beispiel der Kerosinpreis. Eine drohende Kerosinknappheit zur Sommerreisezeit hat in den letzten Wochen medial viel Aufmerksamkeit erhalten. Einige Fluggesellschaften haben zuletzt versucht, diese Sorgen zu beschwichtigen. Während des Sommers sollen demnach keine Flüge wegen Kerosinmangels ausfallen. Die Lage könnte sich jedoch ab Herbst wieder anspannen, sollte die Straße von Hormus noch länger geschlossen bleiben. Der Kerosinpreis ist von seinem Hoch zwar deutlich gefallen, er ist aber noch über 30 % höher als vor Kriegsbeginn. Auch an den Tankstellen macht sich bei Benzin und Diesel der niedrigere Ölpreis bemerkbar. Wie Kerosin sind aber Benzin und Diesel noch teuer. Welche Themen werden uns daneben in den kommenden Monaten begleiten?
Fazit
Welche Themen werden uns in den kommenden Monaten begleiten?
Unser Basisszenario ist weiter gekennzeichnet durch moderates Wirtschaftswachstum, dass die Inflation in Europa nur kurzzeitig erhöht ist, es keine weiteren Zinssenkungen in den USA gibt und die Unternehmensgewinne weiter moderat steigen. Risiken sehen wir in der (Geo-)Politik, einer deutlich steigenden Inflation, hohen und weiter steigenden Staatsschulden, der Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert und den aktuell hohen Bewertungen. Dagegen stellen ein stärkeres Wirtschaftswachstum, ein mögliches Ende des Iran-Krieges und eine Entspannung im Ukraine-Krieg, sinkende Energiekosten und eine Produktivitätssteigerung durch KI Chancen dar.
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Stand 03.06.2026. Alle Rechte vorbehalten.
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