Vor einigen Tagen ist das US-Unternehmen SpaceX in den USA an die Börse gegangen. Mit seiner hohen Bewertung hat es alle bisherigen Börsengänge in den Schatten gestellt. Auf SpaceX dürften heuer noch weitere Mega-IPOs folgen. Die Aufnahme der Unternehmen in die verschiedenen Indizes hat weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte, da es zu Kapitalverschiebungen kommen dürfte. Der Börsengang von SpaceX könnte auch die Richtung an den Aktienmärkten in den kommenden Monaten vorgeben.

Börsengang von SpaceX

Der Börsengang (englisch: Initial Public Offering – IPO) von SpaceX hatte ein Emissionsvolumen von rund 75 Mrd. USD. Dies war fast so viel wie alle Börsengänge in den USA im letzten Jahr zusammen. Auch den bisher größten Börsengang der Geschichte hat SpaceX deutlich übertroffen: Das Öl- und Gasunternehmen Saudi Aramco erzielte Ende 2019 ein Emissionsvolumen von knapp 26 Mrd. USD. Im Vergleich zur Marktkapitalisierung von US-Aktien (66 Bio. USD gemessen am S&P 500) oder von US-Staatsanleihen (32 Bio. USD) fällt das SpaceX-Emissionsvolumen erstmal kaum ins Gewicht. Bedenkt man jedoch, dass nur gut 4 % der SpaceX-Aktien verkauft wurden, ergibt sich eine gesamte Marktkapitalisierung des Unternehmens von rund 1,77 Bio. USD, was dann doch eine beachtliche Zahl ist.

SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen, das 2002 von Elon Musk gegründet wurde. Nach anfänglichen Fehlschlägen wurde die Firma innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden Versorger der Internationalen Raumstation ISS. Es ist mittlerweile auch der weltweite Marktführer für kommerzielle Satellitenstarts. Daneben ist SpaceX mit dem „Starlink“-Projekt für einen globalen Satelliten-Internetzugang – gemessen an der Satellitenanzahl – der weltgrößte Satellitenhersteller und -betreiber. Seit der Übernahme von „xAI“, ebenfalls ein Unternehmen von Elon Musk, im Februar 2026 bietet SpaceX auch KI-Dienstleistungen an. Es betreibt zum Beispiel den KI-Dienst „Grok“ und verschiedene KI-Rechenzentren. Zu guter Letzt ist SpaceX als Betreiber des Kurznachrichtendienstes „X“ (vormals „Twitter“) bekannt. SpaceX hat im letzten Jahr einen Umsatz von 15,5 Mrd. USD und einen Konzernverlust von knapp 5 Mrd. USD erwirtschaftet.

Im Fahrwasser von SpaceX

Auf SpaceX dürften im Jahresverlauf noch weitere große Börsengänge folgen. So haben in den letzten Wochen die KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI die notwendigen Unterlagen eingereicht. Sie streben Schätzungen zufolge jeweils ein Emissionsvolumen von mindestens 60 Mrd. USD an. SpaceX, Anthropic und OpenAI stehen damit zusammen für ein Emissionsvolumen von rund 200 Mrd. USD. Anthropic entwickelt im KI-Bereich große Sprachmodelle, die unter dem Namen „Claude“ bekannt sind und sich vor allem an Unternehmen richten. Es wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeiter:innen gegründet. Große Anteilseigner sind Amazon und Google, die jeweils mehrere Milliarden US-Dollar in Anthropic investiert haben. Das Unternehmen will wahrscheinlich im Herbst an die Börse gehen. OpenAI wurde 2015 gegründet und erforscht und entwickelt generative künstliche Intelligenz. Daraus entstehen Softwareprodukte wie „ChatGPT“. OpenAI dominiert den Markt für Endkunden. Größter Investor ist Microsoft. Ein genauer Zeitpunkt des Börsengangs von OpenAI ist zwar noch nicht bekannt, er wird aber für das vierte Quartal erwartet. Auch außerhalb der USA stehen einige große Unternehmen, vor allem aus dem Technologiebereich, in den Startlöchern: In Hongkong zum Beispiel ist das chinesische Technologieunternehmen ByteDance Kandidat für einen Börsengang. Es ist vor allem bekannt als Betreiber des Kurzvideoportals „TikTok“.

Die größten Börsengänge der Geschichte (nach Emissionsvolumen, in Mrd. USD) — Quelle: statista, Renaissance Capital; Stand 12. Juni 2026 *erwartet

Warum gerade jetzt?

Dass drei KI-Unternehmen jetzt bzw. wahrscheinlich in den kommenden Monaten an die Börse gehen, ist kein Zufall. Vielmehr sehen diese Unternehmen gerade eine gute Gelegenheit hierzu, da die Börsen im Aufwind sind und KI in aller Munde ist. So können sie durch den Börsengang viel Geld einnehmen. Dieses Geld benötigen sie aber auch, da die Kosten zur Entwicklung von KI-Modellen (und den dazu benötigten Rechenzentren) hoch sind und weiter steigen. Die Analysefirma Gartner schätzt, dass die weltweiten Ausgaben für KI heuer mehr als 2,5 Bio. USD betragen werden. Den größten Posten macht dabei die KI-Infrastruktur aus. Dazu gehören vor allem der Bau und die Anmietung von großen Datenzentren, in denen Rechenleistung bereitgestellt wird. Die Liquidität, die die Unternehmen durch den Börsengang erhalten, gibt den Anteilseignern (zum Beispiel Gründer, Angestellte, Altinvestoren) daneben die Möglichkeit, Anteile zu verkaufen. Und zu guter Letzt ist das Marktumfeld für KI-Unternehmen gerade sehr positiv und viele Anleger:innen sind bereit, in solche Unternehmen zu investieren. So ist beispielsweise der IT-Subindex des S&P 500 heuer bereits um über 21 % gestiegen, auch wenn man innerhalb dieses Sektors differenzieren muss. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der die 30 größten in den USA gehandelten Unternehmen umfasst, die Halbleiter entwickeln, herstellen oder vertreiben, hat sich heuer sogar verdoppelt. Seit Anfang 2025 ist die Performance fast zweimal so stark. Viele Anleger:innen wollen daher noch auf diesen fahrenden Zug aufspringen und an der erhofften positiven Performance der Technologieunternehmen partizipieren.

Technologieaktien hängen den breiten Markt ab — Quelle: FactSet; Stand 15. Juni 2026

Auswirkungen auf die Kapitalmärkte

Der SpaceX-Börsengang hat zu einer hohen Nachfrage seitens der Anleger:innen geführt, denn er war mehr als vierfach überzeichnet. Das heißt, Investoren:innen wollten mehr als viermal so viele SpaceX-Aktien kaufen wie angeboten wurden. Dabei kamen nicht nur institutionelle Investor:innen zum Zuge, sondern es wurde ein ungewöhnlich großer Teil der Aktien privaten Anleger:innen zur Zeichnung angeboten. Dass ein Börsengang mehrfach überzeichnet ist, ist aber noch keine Garantie dafür, dass dieser auch wirklich erfolgreich verläuft. Studien, die die Börsengänge in den USA in den letzten 15 Jahren untersucht haben, zeigen, dass die Aktien an ihrem ersten Handelstag durchschnittlich um 23 % nach oben gesprungen sind. In den darauffolgenden drei Jahren blieben sie jedoch um 25 % hinter dem breiten Markt zurück. Diese Trends gelten, teilweise in ausgeprägter Form, vor allem für Unternehmen, die hoch bewertet sind – so wie SpaceX. Viele Analyst:innen gehen davon aus, dass die Aktie sehr volatil sein wird. Die SpaceX-Aktie legte am ersten Handelstag um 19 % zu.

Für die Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI haben verschiedene Indexanbieter Ausnahmen von den Aufnahmeregularien in die jeweiligen Aktienindizes beschlossen. So hat zum Beispiel die Nasdaq ihre regulären Wartefristen für SpaceX erheblich verkürzt. Schon mit der Erstnotiz am 12. Juni wurde die Aktie in den Nasdaq Composite-Index, der über 3.000 Unternehmen umfasst, aufgenommen. Innerhalb von 15 Handelstagen nach dem Börsenstart wird sie Mitglied im Nasdaq 100-Index. Ähnliches gilt für die Indizes der Anbieter MSCI und FTSE. Das heißt, dass alle ETFs und Indexfonds, die diese Indizes abbilden, zu Umschichtungen gezwungen sind. Konkret müssen sie die Aktie von SpaceX kaufen, was Nachfrage erzeugt, und andere Aktien verkaufen. Die Verkäufe dürften vor allem die größten Positionen im Nasdaq 100-Index betreffen. Dies sind aktuell die Technologiekonzerne Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Tesla, Meta und Alphabet – die sogenannten Magnificent 7. Das könnte wiederum zu einem gewissen Verkaufsdruck bei diesen Werten führen. Der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices hält übrigens an der Wartefrist von zwölf Monaten fest. Die Aktie von SpaceX kommt also frühestens Mitte 2027 in den S&P 500.

Der Einschätzung vieler Analyst:innen zufolge haben die Investor:innen, die SpaceX-Aktien gleich beim Börsengang zugeteilt bekommen haben, die notwendigen Finanzmittel aus dem Geldmarkt, anderen Aktienmarktsegmenten oder alternativen Investments wie Gold und Kryptowährungen herangezogen. Bei den noch ausstehenden Börsengängen in diesem Jahr dürfte es ähnlich sein.

Signalwirkung

Der Börsengang von SpaceX könnte Signalwirkung für die Anleger:innen haben. Je nachdem, wie dieser am Markt aufgenommen wird – für eine finale Beurteilung ist es noch zu früh –, könnte die Stimmung in den kommenden Monaten ausfallen. Sofern der Börsengang erfolgreich verläuft und die SpaceX-Aktie in den kommenden Wochen zulegen kann, könnte dies die Aktienmärkte und allen voran die Technologiewerte weiter nach oben treiben. Denn dies dürfte weiteres Geld von Investor:innen anlocken und mehr Unternehmen könnten versuchen, in einem positiven Marktumfeld den Kapitalmarkt anzuzapfen (zum Beispiel über Finanzierungsrunden oder Kapitalerhöhungen).

Sollte die SpaceX-Aktie in den Wochen nach dem Börsengang jedoch fallen, könnten Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aktienrally aufkommen. Dann dürften die hohen Bewertungen vieler Technologieunternehmen in den Mittelpunkt rücken und viele Anleger:innen könnten sich fragen, ob diese angesichts der enormen Ausgaben gerechtfertigt sind. Übrigens wird auch bei SpaceX die Bewertung von 1,77 Bio. USD als Vorschuss auf eine Zukunft gesehen, die sich erst noch beweisen muss. Die ambitionierte Bewertung unterstellt, dass das Unternehmen alle Ziele und Vorhaben erreicht und lässt wenig Spielraum für operative Enttäuschungen. In einem negativen Szenario könnten Investor:innen daher Aktien verkaufen und in andere Anlageklassen wie zum Beispiel Anleihen umschichten. Riskanteren Anlageklassen, zu denen Aktien zählen, droht zudem Gegenwind durch die schwächeren Konjunkturaussichten und die Erwartungen höherer Zentralbankzinsen.

Fazit

Der Börsengang von SpaceX ist ein wichtiger Indikator für die Stimmung der Marktteilnehmer:innen. Es wird sich aber erst in ein paar Monaten zeigen, ob und wie erfolgreich der Börsengang von SpaceX letztendlich war und ob die hohe Bewertung gerechtfertigt war. Dann stehen wahrscheinlich Anthropic und OpenAI schon in den Startlöchern. Die beschleunigte Aufnahme der Unternehmen in verschiedene Indizes könnte zu Kapitalverschiebungen an den Finanzmärkten führen. Die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten hängt aber nicht nur von diesen großen Börsengängen ab. Vielmehr sollten auch weitere Faktoren wie die Geopolitik, Inflations- und Zinserwartungen sowie die Konjunktur nicht aus den Augen gelassen werden.

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